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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Hohe Strompreise: Sollten sich Firmen selbst versorgen?
Wirtschaft

Hohe Strompreise: Sollten sich Firmen selbst versorgen?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 19. August 2026 07:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Deutsche Firmen zahlen im europaweiten Vergleich am drittmeisten für Energie. Nur in Irland und Zypern ist Strom für Unternehmen noch teurer. Im zweiten Halbjahr 2025 kostete die Kilowattstunde hierzulande durchschnittlich 22 Cent. In Frankreich waren es 15 Cent, in Finnland sogar nur acht (externer Link). „Für energieintensive Unternehmen in Bayern haben wir im internationalen Vergleich Wettbewerbsnachteile“, sagt Gregor Zöttl, Professor für Industrieökonomik und Energiemärkte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Doch wie können Firmen damit umgehen?

Inhaltsübersicht
Für energieintensive Unternehmen sind Strompreise entscheidendBlechverarbeiter versorgt sich zu 90 Prozent selbstStabile Kosten und Planungssicherheit als WettbewerbsvorteilStrom selbst erzeugen: Auch für andere Firmen sinnvoll?Die größte Hürde: die BürokratieNicht jedes Unternehmen muss energieautark werden

Für energieintensive Unternehmen sind Strompreise entscheidend

Zum Beispiel, indem sie selbst Strom erzeugen: In der Gemeinde Schwabsoien im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau dürfte der Stromverbrauch Stück für Stück durch die Decke gegangen sein. In den letzten Jahrzehnten sind immer mehr Maschinen dazugekommen. Markus Eirenschmalz steht vor einem Laserschneider in der Produktionshalle der gleichnamigen Firma.

Mit grün blitzendem Licht fährt der Laser über Blech und schneidet kleine Formen aus. Teile, die später in Traktoren oder der Lebensmittelindustrie verbaut werden. „So eine Maschine braucht richtig viel Strom“, sagt Eirenschmalz. Stündlich seien es rund viermal so viel wie ein Einfamilienhaus am Tag.

Für den Leiter der Produktentwicklung sind die Energiekosten längst zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Schwankende Strompreise erschweren die Kalkulation und verursachen zusätzlichen Verwaltungsaufwand. „Da haben wir uns einfach nach Alternativen umgeschaut“, so Eirenschmalz.

Blechverarbeiter versorgt sich zu 90 Prozent selbst

Die Lösung liegt in Schwabsoien auf der anderen Straßenseite: Hier liefern Lkw und Traktoren aus dem eigenen Fuhrpark Hackschnitzel an. Neben Photovoltaikanlagen setzt das Unternehmen auf Holzvergasung. Die Hackschnitzel stammen überwiegend aus dem nahegelegenen Sachsenrieder Forst.

In mehreren Holzgas-Blockheizkraftwerken entstehen so Strom und Wärme. Die Wärme wird gespeichert oder ins Nahwärmenetz eingespeist, der Strom direkt in der Produktion genutzt. Nach eigenen Angaben deckt die Firma inzwischen rund 90 Prozent ihres Energiebedarfs selbst. Auslöser für die Investitionen seien auch Unsicherheiten der vergangenen Jahre, wie der Krieg in der Ukraine, gewesen.

Stabile Kosten und Planungssicherheit als Wettbewerbsvorteil

Die eigene Energieversorgung soll vor allem stabile Produktionskosten ermöglichen. Das Unternehmen will starke Preissprünge vermeiden und damit auch den Kunden mehr Planungssicherheit bieten.

Genau darin sieht auch der Nürnberger Ökonom Gregor Zöttl einen wichtigen Faktor: Eine zuverlässige und bezahlbare Stromversorgung sei für Unternehmen von großer Bedeutung, selbst wenn diese nicht zu den besonders energieintensiven Betrieben gehörten. Denn wenn große energieintensive Firmen einen Standort verlassen, treffe das oft ganze Wertschöpfungsketten aus Zulieferern, Handwerksbetrieben und Dienstleistern.

Strom selbst erzeugen: Auch für andere Firmen sinnvoll?

Auch die Schreinerei Daxenberger in Seeon hat ihre Energieversorgung schrittweise ausgebaut. Der Betrieb mit rund 80 Beschäftigten betreibt bereits seit 2004 Photovoltaikanlagen und erzeugt heute mehr als die Hälfte seines Stroms selbst.

Hinzu kommt ein intelligentes Energiemanagement. Das System entscheidet automatisch, wer im Betrieb Vorrang erhält. Benötigt die Produktion Strom, werden beispielsweise andere Bereiche wie die Ladesäulen für Firmenfahrzeuge zurückgeregelt. So lassen sich sogenannte Lastspitzen vermeiden. Elf Elektrofahrzeuge gehören inzwischen zum Fuhrpark. Laut Prokurist Georg Lampersperger sparte das Unternehmen dadurch im Jahr 2025 rund 50.000 Euro an Kraftstoffkosten.

Die größte Hürde: die Bürokratie

Die größte Hürde sei allerdings nicht die Technik, sondern die Bürokratie, sagt Lampersperger. Förderanträge und Genehmigungsverfahren seien für viele kleinere Unternehmen kaum ohne externe Energieberater zu bewältigen. „Dieser Energieberater wendet dann ungefähr 80 Prozent der Zeit komplett für Bürokratie auf und 20 Prozent vielleicht für fachliche Expertise“, schätzt der Prokurist.

Nicht jedes Unternehmen muss energieautark werden

Trotz erfolgreicher Beispiele wie Eirenschmalz oder Daxenberger sieht Energieökonom Zöttl die Eigenversorgung nicht als Lösung für alle Firmen.

„Es macht sehr viel Sinn für Unternehmen, bei denen die Rahmenbedingungen sehr gut stimmen“, sagt er. Für die breite Masse der Unternehmen brauche es jedoch mehr. Zöttl plädiert für einen Mix aus Eigenversorgung und einem leistungsfähigen zentralen Energiesystem mit großen Wind- und Solarparks, Speichern sowie steuerbaren Kraftwerken. Solche Lösungen seien oft günstiger und zuverlässiger, als auf einzelne autarke Unternehmen zu setzen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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