Seit Jahrzehnten gehört „Green Lantern“ zu den kosmischsten Figuren im DC-Universum. Erfolgreich auf die Leinwand wurde der Stoff bislang allerdings nicht übersetzt. 2011 floppte eine Kinoadaption mit Ryan Reynolds in der Hauptrolle. Jetzt versucht es HBO mit einer Serie – und einem Setting, das auch aus einem Provinzkrimi stammen könnte.
Superhelden im Provinzkrimi
Kyle Chandler (bekannt aus der Sportserie „Friday Night Lights“) spielt Hal Jordan, einen erfahrenen intergalaktischen Polizisten, genannt Green Lantern. Aaron Pierre spielt John Stewart, einen neuen Anwärter auf den Ring, der den Lanterns die entsprechende Macht verleiht. Gemeinsam ermitteln sie in einer Kleinstadt in Nebraska. Statt ferner Galaxien gibt es also staubige Straßen, Footballfelder und Bars. Und statt Weltuntergang einen mysteriösen Fall.
Ganz bewusst erinnert die Serie an „True Detective“, sagt auch Showrunner Chris Mundy im Interview: „Wir wollten eine bodenständige Geschichte erzählen. Eine Geschichte über Menschen, die diesen Job machen“, so Mundy. „Deshalb war es uns wichtig, mit einer Welt, einer Atmosphäre und einem Ort anzufangen, die die Zuschauer verstehen können. Und von dort aus wollten wir diese Welt immer weiter vergrößern.“
Mundy und seine Mitautoren Damon Lindelof und Tom King haben neben „True Detective“ noch andere Vorbilder. Sie wollten nach und nach die emotionalen Geheimnisse ihrer Figuren freilegen. Dafür haben sie sich ausgerechnet bei einem Genre bedient, das vom Superheldenfilm maximal weit entfernt ist, nämlich dem Neo-Western. Eine wichtige Referenz ist für Mundy „No Country for Old Men“ von den Coen-Brüdern.
Anleihen an Neo-Western
Auch dieser Film mit wartet einer weiten, staubigen US-amerikanischen Landschaft auf und dem ständigen Gefühl einer Bedrohung, die unaufhaltsam näherkommt. Im Zentrum steht bei „Lanterns“ wiederum die Beziehung zweier Männer, die sich zusammenraufen müssen, um dieser Bedrohung am Ende Herr zu werden.
Hal Jordan ist der Veteran, John Stewart der mögliche Nachfolger. Der Konflikt ist bei dieser Konstellation vorprogrammiert. Hal muss ausgerechnet den Mann ausbilden, der irgendwann seinen Platz einnehmen könnte. „Lanterns“ widmet sich damit einem Thema, das im Superheldengenre eher selten vorkommt: das Alter und die Angst, nicht mehr gebraucht zu werden.
„In vielerlei Hinsicht geht es tatsächlich mehr um Nachfolge als um Superhelden“, erzählt Chris Mundy. „Superheld zu sein ist ihr Beruf. Aber wenn man akzeptiert, dass Menschen diesen Beruf ausüben, muss man auch akzeptieren, dass irgendwann jemand zu alt dafür wird. Irgendwann kommen wir alle an diesen Punkt und fragen uns: Ist es Zeit aufzuhören? Genau das steht im Zentrum unserer Geschichte.“
Hal Jordan muss nicht nur die Welt retten, sondern sich irgendwann die Frage stellen, wann es Zeit ist, Platz zu machen. John Stewart hält ihm dabei permanent den Spiegel vor Augen. Er ist jünger, selbstbewusst und keineswegs bereit, einfach nur Hals Schüler zu sein.
Kosmische Helden, irdische Probleme
Mundy und seine Co-Autoren haben beim Schreiben nicht nur über Krimis und Western als potenzielle Referenzen nachgedacht, sondern auch über romantische Komödien. Zwei Menschen treffen sich, geraten aneinander, nähern sich an, entfernen sich wieder. Nur dass hier keine Liebesgeschichte entsteht, sondern eine ziemlich komplizierte Männerfreundschaft in einem Superheldensetting.
Unter all der DC-Mythologie der letzten Jahre erzählt „Lanterns“ damit stilsicher von irdischen Dingen: vom Älterwerden, von Freundschaft – und von der Angst, irgendwann nicht mehr gebraucht zu werden.

