Mühsam ernähre sich das Eichhörnchen, stellt Eva Masthoff lakonisch fest. Konkrete Zahlen zum Denkmalschutz zu bekommen, sei alles andere als einfach, so die Initiatorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz am Telefon. Denn so etwas wie eine bundesweite Liste, auf der sämtliche schützenswerten Gebäude verzeichnet sind, existiert schlicht nicht.
Über 1.000 Denkmale verloren
Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind daher auf andere Quellen angewiesen. Im sogenannten Schwarzbuch, das die Stiftung alljährlich veröffentlicht, wird festgehalten, welche und wie viele Denkmäler in Deutschland „verloren“ gegangen sind. Dabei, so Masthoff, greife man vor allem auf eigene Recherchen zurück, dazu auf Presseberichte und auf Meldungen aus der Bevölkerung. Eine recht „mühselige Arbeit“, stellt sie trocken fest.
Allerdings auch eine wichtige. Über 1.000 Denkmale sind in den vergangenen zwei Jahren verfallen oder abgerissen worden, täglich mehr als eines. Ohne die Arbeit von Masthoff und ihren Kolleginnen würde die Öffentlichkeit nicht davon erfahren. Von einer „dramatischen Gefährdung“ unserer Denkmale spricht die Stiftung. Und Bayern bildet da durchaus keine Ausnahme.
Bayern ist keine Ausnahme
Über 60 Denkmale hat Bayern letztes Jahr verloren, und etwa nochmal so viel im Jahr davor. Ein prominentes Beispiel ist der Abriss eines Fachwerkhauses von 1600 in Winkelhaid (Landkreis Nürnberger Land), das ein frühes Zeugnis des fränkischen Fachwerkbaus darstellt, wie man im Schwarzbuch liest. Nachdem im Inneren bereits Wände und Decken entfernt worden waren, verlor es seinen Denkmalstatus und wurde deshalb 2025 abgerissen. Ein ähnliches Schicksal traf das Hotel Luis in Dinkelsbühl (Landkreis Ansbach) aus dem 16. Jahrhundert, das 2021 bei einem Brand beschädigt wurde. Zwei Jahre später wurde es ebenfalls abgerissen.
Letztlich, so Masthoff, seien die Abrissgründe sehr unterschiedlich. Mal geht es um eine Straße, der ein altes Haus im Weg steht, mal um ein Neubaugebiet, das auf dem Gelände errichtet werden soll. Aber auch Vernachlässigung sei ein großes Problem. Ist ein Gebäude nur marode genug, verliert es oft seinen Denkmalstatus. Und so mancher Besitzer spekuliert genau darauf – einem Abriss steht dann schließlich auch rechtlich nichts mehr im Weg.
Wie den Denkmalschutz stärken
Was also tun? Wichtig sei vor allem eine hinreichende Transparenz durch die zuständigen Landesbehörden, etwa das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, sagt Eva Masthoff. Sie fordert eine bundesweite Denkmalliste, inklusive Erfassung von Streichungen und Verlusten. Genauso so wichtig sei aber die Erleichterung von Umbauten. Unser kompliziertes Baurecht erschwert eine Nutzung von denkmalgeschützten Gebäuden, etwa weil Vorgaben, die eigentlich für Neubauten gelten, nicht eingehalten werden können. Hier sei eine neue Umbauordnung nötig, fordert die Denkmalschützerin.
Vor allem aber sei entscheidend, dass ein entsprechendes Bewusstsein in der Bevölkerung existiere. „Was uns wirklich schwer im Magen liegt, ist, wenn der Rückhalt vor Ort fehlt“, sagt Eva Masthoff. Oft sei den Menschen gar nicht bewusst, welche „Schätze“ da im eigenen Dorf, der Stadt, dem Landkreis verfallen.

