Dass das Thema Meta bekannt ist, zeigt auch eine Reuters-Recherche aus dem vergangenen Jahr. Sie bezieht sich auf interne Dokumente, laut denen Meta mit betrügerischen Anzeigen oder Anzeigen für verbotene Produkte rund 16 Milliarden US-Dollar pro Jahr verdient. Das machte zu dem Zeitpunkt etwa ein Zehntel des Gesamtumsatzes des Konzerns aus. Laut den von Reuters eingesehenen internen Dokumenten werden betrügerische Anzeigen täglich milliardenfach den Plattform-Nutzern angezeigt. Meta schreibt dem #Faktenfuchs dazu, die Zahl von zehn Prozent sei irreführend und „zu weit gefasste Schätzung, die auch Anzeigen umfasste, die gegen unsere Richtlinien zu Betrugsfällen nicht tatsächlich verstießen“.
Julia Smirnova meint, die bisherigen Bemühungen reichen nicht aus: „Die Plattformen tun definitiv nicht genug, um das einzudämmen.“
Oberstaatsanwalt: Schaden im Milliardenbereich
Während die Plattform-Konzerne an den betrügerischen Anzeigen verdienen, verlieren manche Menschen ihr Erspartes. Eine Frau aus dem Landkreis Cham verlor kürzlich mehr als 100.000 Euro an solche Anlagebetrüger.
Und das ist bei weitem kein Einzelfall, weiß Nino Goldbeck. Er ist Oberstaatsanwalt bei der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB), einer speziellen Ermittlungsstelle für Kriminalität im Digitalen Raum, angesiedelt bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg.
Er sagt: „Wir sind sehr häufig im fünf- und sechsstelligen Bereich, auch Millionenbeträge sind nicht selten.“ Das Fallaufkommen sei „gigantisch“, so der Oberstaatsanwalt, nicht nur im Hinblick auf die Zahl der Fälle, sondern auch, was die Höhe er erbeuteten Summen angeht.
Genau beziffern ließe sich der Schaden zwar nicht, aber man habe eine gute Übersicht zumindest über das Anzeigenaufkommen in Bayern, was solche Finanz-Scams angeht. Alleine im Freistaat hätten im vergangenen Jahr etwa 5.000 bis 6.000 Menschen Anzeige erstattet, sagt Nino Goldbeck. Hinzu komme ein erhebliches Dunkelfeld.
„Wir haben keinen Zweifel, dass der jährliche Schaden, der dadurch entsteht, allein in Deutschland im Milliardenbereich liegt.“ Nino Goldbeck, Oberstaatsanwalt
Auch wenn die Zahl der Fälle weiterhin groß ist, habe man schon viele Ermittlungserfolge erzielt, so Goldbeck. Zahlreiche internationale Täter-Netzwerke im Ausland habe man zerschlagen können, regelmäßig mit Auslieferungen und Verurteilungen in Deutschland. Momentan stünden „mehr als 120 rechtskräftige Verurteilungen von Tätern unterschiedlicher hierarchischer Ebenen“ zubuche, vom Callcenter-Agenten, hin zur Chefebene.
Professionelle Täternetzwerke in Konzernstrukturen
Die Betrugssyndikate beschreibt Goldbeck als hochkomplex und professionell, sie seien in vielen Fällen „gewissermaßen global agierende Konzerne“, die häufig aus hunderten Personen bestünden und Büros sowie Callcenter in mehreren Ländern betreiben, laut Goldbeck meist in den Balkanstaaten sowie in Georgien, Armenien, Israel, Zypern und der Ukraine. Der Ermittler sieht in den Milliardenverlusten einen Schaden mit volkswirtschaftlicher Relevanz. „Was hier den Leuten aus der Tasche gezogen wird, das kann eben nicht in unsere Volkswirtschaft, in unseren wirtschaftlichen Kreislauf investiert werden. Das steht nicht zur Verfügung, etwa für die Altersversorgung, die Familie oder Anschaffungen.“
Wie kann es dennoch sein, dass der globale Betrug mit angeblich vielversprechenden Finanzprodukten, die sich hinter den gefälschten Nachrichtenseiten verstecken, weitergeht und sich nicht verhindern lässt? Für Goldbeck ist es mit dem Online-Betrug wie mit anderen Kriminalitätsfeldern. „Dort, wo Kriminelle hochorganisiert und professionell agieren, werden sie auch immer Erfolg haben. Das sieht man zum Beispiel am Rauschgiftmarkt. Es können noch so viele Tonnen Kokain in einem Hafen beschlagnahmt werden – selbstverständlich findet das Drogenbusiness weiterhin statt.“ Konstanter Druck seitens der Strafverfolgung sei dennoch wichtig.
KI-Einsatz wirkt sich auf Menge und Qualität der Fakes aus
Auch für ihn spielen die Sozialen Netzwerke „unverändert eine große Rolle“ in Bezug auf den andauernden Online-Betrug. Auf die Frage des #Faktenfuchs, ob Meta und X sich des Ausmaßes der Schäden für die Nutzer bewusst sind und was sie dazu sagen, antworten die Plattformen nicht.
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz mache sich zunehmend bemerkbar, etwa im Hinblick auf die Menge und Qualität der erstellten Fakes, so Goldbeck. Die Fake-Bilder der Prominenten in den vom #Faktenfuchs gesichteten Nachrichten-Imitaten wirken meist täuschend echt. Dass es sich um synthetische Bilder handelt, lässt sich jedoch etwa mit dem Programm „SynthID“ von Google belegen. Das zeigt eindeutig, dass die Deepfakes von Dieter Nuhr und Deutsche-Bank-Chef Sewing mit der Google-KI erstellt wurden. SynthID erkennt im Bild auf Pixelebene unsichtbare digitale Wasserzeichen, die auch bei Screenshots bestehen bleiben.

