Die Aufregung in den sozialen Medien ist groß: Amazon, Anthropic und andere KI-Firmen sollen weltweit gebrauchte und seltene Bücher aufkaufen, den Buchrücken entfernen, die Seiten einscannen und anschließend entsorgen. Alles, um Trainingsdaten für KI-Sprachmodelle wie ChatGPT und Claude zu erhalten.
Entsprechend heftig fallen die Reaktionen aus. Manche Nutzer vergleichen das Vorgehen mit Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ oder gar den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten. Typisch aufgeheizte Stimmung auf Social Media – aber was ist wirklich dran an dem Vorwurf?
Was passiert mit den Büchern?
Dass KI-Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und Google Bücher einscannen und anschließend entsorgen, ist grundsätzlich schon länger bekannt. Bereits vergangenes Jahr beschrieb ein US-Bundesgericht in einem Verfahren gegen die KI-Firma Anthropic, dass der KI-Konzern bereits Millionen überwiegend gebrauchte Bücher eingekauft, eingescannt und anschließend entsorgt habe.
Dass aktuell wieder darüber diskutiert wird, hat vor allem mit einer Recherche des Magazins 404 Media zu tun. Die Recherche berichtet von einem Buchhändler, bei dem eine anonyme Bestellung über etwa eintausend Bücher eingegangen war. In der Lieferung versteckte er einen AirTag. Der Apple-Tracker führte quer durch die USA zu einer Amazon-Halle in Las Vegas. Beschäftigte dieses Standorts berichteten, dass dort immer wieder große Buchlieferungen eintreffen. Diese Bücher werden anschließend eingescannt und vernichtet.
Warum werden die Bücher vernichtet?
Der ruppige Umgang mit den Büchern hat wohl zweierlei Gründe: Erstens lassen sich lose Blätter deutlich schneller und einfacher einscannen als ein gebundenes Buch.
Zweitens könnte es auch rechtliche Vorteile haben. Vergangenes Jahr urteilte ein Gericht in den USA, dass das Digitalisieren von gekauften Büchern nicht als Urheberrechtsverstoß gilt, wenn das Original anschließend vernichtet wird. Der Grund: So entsteht keine verbotene Kopie.

