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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Mitten im Chat: ChatGPT führt Werbeanzeige in Deutschland ein
Netzwelt

Mitten im Chat: ChatGPT führt Werbeanzeige in Deutschland ein

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 21. August 2026 13:49
Von Benjamin Lehmann
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4 min. Lesezeit
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Wer ChatGPT kostenlos nutzt, konnte sich bisher auf einen werbefreien Chat verlassen. Das soll sich jetzt ändern: Das Unternehmen OpenAI baut sein Werbegeschäft aus und will Anzeigen auch nach Deutschland bringen. Für Nutzerinnen und Nutzer in der EU gelten dabei andere Regeln als zum Beispiel in den USA – etwa bei personalisierter Werbung. Bezahlt wird die Platzierung von Unternehmen.

Inhaltsübersicht
Wie sieht die Werbung aus?Was macht ChatGPT mit den Chats?Anzeigen können Kaufabsicht auslösenBesondere EU-VorgabenNeues Geschäftsmodell für ChatGPT

Betroffen sind sowohl die „ChatGPT Free“-Konten, als auch die der günstigen Bezahlvariante „Go“. Wer ein „Pro“, „Plus“ oder Business-Abo hat, soll dagegen keine Werbung ausgespielt bekommen. Das gilt auch für Konten, bei denen davon ausgegangen wird, dass sie Minderjährigen gehören.

Wie sieht die Werbung aus?

Wie das genau aussieht, erklärt das Unternehmen auf seiner Webseite [externer Link]: Die Werbeinhalte sollen nicht willkürlich auftauchen, sondern gezielt unter passenden Antworten der KI. Sie sollen sich klar vom eigentlichen Chat unterscheiden. Sie werden deutlich als Werbung gekennzeichnet und sollen die Antworten der KI nicht beeinflussen.

Welche Werbung erscheint, kann also vom Thema des Chats abhängen. Wer etwa nach einem Urlaub sucht, könnte passende Reise-Werbeanzeigen sehen. Recherchiert man ein Rezept, wird einem womöglich ein Supermarkt empfohlen.

Anzeigen sollen jedoch nicht in Gesprächen zu sensiblen oder regulierten Themen auftauchen. Dazu zählen beispielsweise persönliche oder psychische Gesundheit. Auch politische Werbung ist grundsätzlich ausgeschlossen.

Was macht ChatGPT mit den Chats?

Personalisierte Werbeinhalte sind nicht neu – sieht man sich zum Beispiel ein Produkt auf einer Webseite an, können plötzlich genau diese Produkt-Werbeanzeigen auf anderen Seiten auftauchen.

Gerade hier unterscheidet sich die ChatGPT-Werbung: Die KI kennt den genauen Zusammenhang einer Unterhaltung. Deshalb kann OpenAI den aktuellen Chat als Signal für die Auswahl einer Anzeige verwenden.

Anzeigen können Kaufabsicht auslösen

Bei seinen Anzeigekunden wirbt OpenAI damit [externer Link], Menschen während Recherche, Vergleich und Entscheidungsfindung zu erreichen. Eine Analyse von Similarweb [externer Link] zeigt, warum das Modell für Kunden interessant sein könnte: 46 Prozent der Nutzer, denen in der Untersuchung eine Anzeige gezeigt wurde, hatten ihre Unterhaltung zunächst ohne erkennbare Kaufabsicht begonnen. Erst durch die Anzeige wurde eine Kaufabsicht ausgelöst.

Für Werbekunden ist das Modell zwar vielversprechend. Eine Erhebung von YouGov [externer Link] zeigt allerdings, dass viele Menschen in Deutschland personalisierter Werbung skeptisch gegenüberstehen. 40 Prozent der Befragten fühlen sich durch die personalisierten Anzeigen sogar „regelrecht verängstigt“.

Besondere EU-Vorgaben

Für die Nutzer im EU-Raum gelten allerdings besondere Vorgaben. Für den Start in der EU musste OpenAI seine Datenschutzregeln anpassen. Denn hier gilt: Personalisierte Werbung muss zunächst deaktiviert sein. Einer weitgehende Personalisierung müssen Nutzern ohne Bezahl-Abo erst zustimmen.

Nach der aktuellen Datenschutzrichtlinie kann OpenAI zwar für generische Anzeigen unter anderem des Kontext des Chats, den ungefähren Standort, die Tageszeit und den Gerätetyp verwenden. Das Unternehmen betont, dass Werbetreibende keinen Zugriff auf einzelne Chats, den Chatverlauf oder persönliche Daten bekommen.

Neues Geschäftsmodell für ChatGPT

Für OpenAI ist die Werbung ein weiterer Weg, die kostenlose Nutzung von ChatGPT zu finanzieren. Erst vor kurzem sagte OpenAI-Chef Sam Altman im Gespräch mit dem Handelsblatt [externer Link], Deutschland sei für das Unternehmen einer der „größten und am schnellsten wachsenden Märkte.“

Grund für die Werbeanzeigen seien außerdem die hohe Kosten für Infrastruktur und die Weiterentwicklung der KI-Systeme. Mit einem ehrgeizigem Ziel: Bis 2030 will OpenAI 100 Milliarden US-Dollar mit Werbung generieren. Ab wann die personalisierte Werbung vollständig ausgerollt wird, ist nicht genau bekannt.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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