Seit 2015 treffen sich unter dem Titel „Eine Brücke aus Papier“ regelmäßig Autorinnen und Autoren aus der Ukraine und aus Deutschland mit dem Ziel, einen Kulturaustausch zwischen beiden Ländern auch in Krisenzeiten aufrechtzuerhalten. Gegründet wurde sie auf Initiative der Münchnerin Verena Nolte während des Euromaidan, als proeuropäische Massenproteste die Ukraine bewegten, während Russland schon die Krim völkerrechtswidrig annektiert hatte.
Diese „Brücke aus Papier“ besteht auch weiterhin während des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine und findet in diesem Jahr vom 21. bis 24. August in Lwiw statt. Teilnehmerin ist nach 2023 zum zweiten Mal die Münchner Schriftstellerin Dagmar Leupold. Für sie reiche es nämlich nicht „rhetorisch oder schriftlich seine Solidarität“ zu bekunden, entscheidend sei die direkte Begegnung. Und gerade Kultur habe da etwas „Verbindliches, Verbindendes über Grenzen und über Sprachgrenzen“ hinaus, sagte sie im BR.
Auseinandersetzung mit dem Krieg
So habe bei ihr der Besuch eines Rehabilitationszentrums für Kriegsveteranen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Einige von ihnen hätten unter „dem Titel Verteidiger der Ukraine eine Art therapeutisches Schreiben“ absolviert und seien auch „zu unseren Veranstaltungen“ gekommen und hätten aus ihren Texte vorgetragen. Es sei bewegend gewesen zu sehen, mit welch ungeheurer Entschlossenheit die teils sehr jungen Veteranen versuchten, „sich gegen die Versehrung zu stemmen, die physische, die psychische, die gesellschaftspolitische“.
Die deutschen Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind in Lwiw mit Texten vertreten, in denen sie versuchen, das Thema Krieg zu bewältigen. So gehe es im literarischen Werk von Dagmar Leupold oft auch um „das Nachdenken über strukturelle Gewalt, individuell erfahrene Gewalt“. In ihrem Gedicht-Band „Small Talk“ etwa aus dem Jahr 2025 findet der Krieg Russlands gegen die Ukraine seinen direkten Niederschlag.
Blick auf die vielfältige Literatur der Ukraine
Aus der Ukraine nimmt unter anderem die Schriftstellerin Sofia Andruchowytsch teil, deren jüngster Roman „Catananche“ aus dem Jahr 2024 in einer zukünftigen Ukraine spielt und den Blick auf das Leben einer Familie in Kiew nach dem Krieg richtet.
Insgesamt, so findet die Schriftstellerin Dagmar Leupold, die 2023 mit dem Literaturpreis der Stadt München für ihr literarisches Gesamtwerk ausgezeichnet wurde, sei die ukrainische Literatur „außerordentlich vielfältig“. Bisher fanden die mehrtägigen öffentlichen Treffen in diversen ukrainischen Städten wie Lwiw, Dnipro, oder Uschhorod sowie in den deutschen Städten München, Berlin und Weimar statt.

