„Erst formen wir unsere Gebäude und dann formen unsere Gebäude uns“, davon war schon Winston Churchill überzeugt. Gleich mehrere Zitate dieser Art werden dem britischen Staatslenker zugeschrieben. Und man muss unwillkürlich an sie denken, wenn man sich die Bilder der Entwürfe für das renovierte Bellevue ansieht. Denn an welchem Ort sollte es mehr um uns gehen – und zwar das große „Uns“, ein „Uns“, das uns alle meint – als im Amtssitz des Bundespräsidenten?
Demokratie in der Teppichfluse
Staatspaläste sind repräsentative Orte, das ist völlig klar. Hier ist ein Sofa nie nur ein Sofa, ein Sideboard nie nur ein Sideboard sondern, pathetisch gesprochen, immer auch sowas wie der Selbstausdruck der Republik. Staatspaläste sind Räume, in denen sich die Demokratie gewissermaßen in der Teppichfluse materialisiert.
Dass Donald Trump das Weiße Haus am liebsten in eine goldglänzende Oligarchenvilla verwandeln würde, ist aus dieser Perspektive so bedenklich wie sprechend. Und die gute Nachricht lautet zunächst einmal: Die künftigen Innenräume von Schloss Bellevue sind so ziemlich der exakte Gegenentwurf dazu.
Katrin Jacobs muss ein bisschen überlegen, ehe sie versucht den Stil dieser Räumlichkeiten zu beschreiben. „Wir haben uns relativ zurückgehalten“, verrät sie dann zögernd. Die Münchnerin leitet die Sparte Interior Design beim Architekturbüro Henn, das den Wettbewerb für die Neugestaltung der Innenräume von Bellevue gewonnen hat. Sie ist also hauptverantwortlich für die Entwürfe.
Die Räume: dezent und ein bisschen streng
Ein „sehr besonderes Gefühl“ sei das schon gewesen, als der Anruf vom Bundespräsidialamt kam, sagt sie am Telefon. Und, dass man „wirklich, wirklich überrascht“ gewesen sei. „Wir haben uns eigentlich gar keine Chancen ausgerechnet, weil wir normalerweise nicht mit so dekorativen, opulenten Gebäuden zu tun haben.“
Ob man Katrin Jacobs dieses Understatement abnehmen soll? Henn ist immerhin eines der renommiertesten Architekturbüros in Deutschland. Zu den Projekten, die man dort realisiert hat, zählen riesige Gebäudekomplexe wie die Autostadt in Wolfsburg oder das Audi Museum in Ingolstadt. Aber gleich, ob man der Innendesignerin glaubt oder nicht – ihr Understatement passt in jedem Fall gut zu den Entwürfen.
Die sind in der Tat „zurückhaltend“, um nicht zu sagen langweilig (ohne Wertung!). Beim Betrachten der Bilder mag man an ein schickes, etwas sehr klassisches Hotel denken. Ein gediegener Ort in dezenten Erd- und Pastelltönen. „Nicht expressiv oder opulent“ sei die Gestaltung, meint Jacobs, sondern „deutsch-zurückhaltend“ und, ja, auch eine „gewisse Strenge“ habe man transportieren wollen.

