„Weder Stalin, noch Chruschtschow und schon gar nicht Breschnew hätten je an so etwas gedacht. Aber das Leben geht weiter“, so der russische Politologe Georgi Bovt [externer Link] über ein Gesetz, wonach alle russischen Bauern ab dem 1. September Bestände mit mehr als zehn Hühnern und Kaninchen den Behörden melden müssen. Weil zahlreiche Betroffene die neue Regelung offenbar missverstanden hatten und ihre Tiere zur Erfassung in staatliche Einrichtungen brachten, ist das Aufsehen groß.
Dabei ist weniger das bizarre Thema an sich aufschlussreich, als die Schärfe der Reaktionen, die nur mit einem gesteigerten Verdruss an Putins Politik staatlicher Gängelung und Überwachung erklärt werden können.
„Niemand und nichts entgeht der staatlichen Kontrolle. Wir warten auf die obligatorische Registrierung von Papageien, Kanarienvögeln und kleinen Nagetieren (Hamster, Meerschweinchen usw.), da diese ja auch kommerziell gezüchtet werden können“, schimpfte Wirtschaftsjournalist Dmitri Drise [externer Link].
Anwalt Akilgow Kaloy spottete [externer Link]: „Der nächste Schritt wird wohl darin bestehen, dem Hahn eine eindeutige elektronische Signatur zu geben, die Hennen um ihre Zustimmung zur Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten zu bitten und jedes Ei, das den Hühnerstall verlässt, ohne im System erfasst zu sein, als nicht bilanziertes Derivat zu brandmarken.“
„Werden uns auch um Dummköpfe kümmern“
Selbst Teile des Kreml-Regimes scheinen nach einer Welle der Empörung nicht mehr begeistert. So sagte [externer Link] Parlamentspräsident und Putin-Vertrauter Wjatscheslaw Wolodin, einer der emsigsten Verfasser immer neuer Verbote: „Wir müssen die Voraussetzungen für die Entwicklung privater landwirtschaftlicher Betriebe schaffen, statt unter dem Deckmantel der Kontrolle und des Kampfes für hygienische Bedingungen Entscheidungen zu treffen, die besser zuvor mit den Bewohnern des ländlichen Raums, den Abgeordneten und Experten hätten besprochen werden sollen.“
Publizist Oleg Sarow vermutete [externer Link], dass Wolodin ausschließlich wegen der nahen russischen Parlamentswahl zurückruderte: „Man sagt, Russlands Probleme seien Dummköpfe und kaputte Straßen. Unsere Straßen haben sich deutlich verbessert. Wir werden uns auch um Letztere kümmern.“
„Derzeit üben sie nur“
Militärblogger Alexei Schiwow wetterte [externer Link]: „Das hier ist kein Wahnsinn – es ist ein konsequenter und durchdachter Plan, dessen Höhepunkt darin bestehen wird, dass die Bewohner russischer Dörfer und Weiler die Leibeigenschaft der Romanows und die sowjetischen Staatsgüter als Ära des Wohlstands und der Freiheit in Erinnerung behalten werden.“

