Viele Ausbildungsplätze in Bayern noch unbesetzt
In Bayern beginnen zum ersten September rund 23.000 junge Menschen eine Ausbildung im Handwerk (externer Link), ein Plus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Peteranderl führt das auch auf das große Engagement von Kammern und Innungen bei der Gewinnung von Nachwuchs zurück, etwa auf Berufsmessen und in Schulen. In den IHK-Berufen ist die Zahl der Verträge hingegen um 4,5 Prozent gesunken (externer Link), auf knapp 40.000. Die wirtschaftliche Dauerkrise verunsichere Betriebe und Bewerber, sagt der Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, Peter Inselkammer.
Viele Plätze blieben auch unbesetzt, weil die Betriebe keine geeigneten oder gar keine Bewerbungen bekommen hätten. Bei den Arbeitsagenturen in Bayern gibt es noch fast 10.400 unversorgte Bewerber. Gleichzeitig sind noch rund 25.600 unbesetzte Lehrstellen gemeldet.
Viele Arbeitgeber mit schulischen Leistungen unzufrieden
Dass die Quote der Azubis mit Hochschulberechtigung steigt, hänge auch mit dem Bildungssystem zusammen, sagt der Bildungsforscher Dieter Dohmen, der Direktor des FIBS. Viele Arbeitgeber würden die Erfahrung machen, dass einige Bewerber mit mittlerem Schulabschluss Probleme mit Deutsch und Mathe hätten. Das führe dazu, dass große Unternehmen für die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gerne darauf hinweisen, dass sie Abiturienten bevorzugen. „Da baut man dann in der Ausschreibung gerne ein paar Bausteine wie Personalführung ein, um die Stelle schmackhafter zu machen“, so Dohmen.
Gleichzeitig sind die Anforderungen in vielen Ausbildungsberufen gestiegen. Und auch der KFZ-Mechaniker hat sich zum KFZ-Mechatroniker weiterentwickelt, bei dem Computer und komplexe Arbeitsabläufe zur Arbeit dazugehören.
Abiturient oder Mittelschüler – Betriebe entscheiden
Nehmen Abiturienten den Jugendlichen mit niedrigerem Schulabschluss die Ausbildungsplätze weg? Nicht unbedingt, sagt Dieter Dohmen, denn oft seien die Bewerber in verschiedenen Bereichen unterwegs. Klar sei aber auch, dass manche Betriebe Abiturienten aktiv umwerben. Allerdings entscheide sich ein Betrieb nicht automatisch für den Abiturienten, sagt der bayerische Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl. Ein Mittelschüler könne auch einen Abiturienten ausstechen.
Wer nach der Ausbildung zusätzlich studieren wolle, bleibe dem Handwerk meist erhalten und könne dann vielleicht auch mal ein Unternehmen in dem Bereich übernehmen, sagt Peteranderl.
Meister statt Studium – Ausbildung eröffnet Karrierechancen
Bei Vanessa und Julia, die ihre Ausbildung als Konditorin in München beginnen, besteht diese Gefahr eher nicht. Denn die Studienerfahrung haben sie bereits hinter sich. Sie wollen nach ihrer Ausbildung dann vielleicht den Meister machen und weiter in dem Beruf arbeiten.

