Eine neue US-Studie (externer Link) zeigt: Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die GLP-1-Medikamente wie Saxenda, Wegovy, Ozempic oder Mounjaro nehmen, wird tatsächlich etwas häufiger Haarausfall diagnostiziert als bei Patienten, die andere Diabetesmedikamente erhalten. In absoluten Zahlen sind die Fälle jedoch selten. Und ob die Medikamente selbst oder andere Faktoren den Haarausfall verursachen, lässt sich aus der Untersuchung nicht ableiten.
GLP-1-Medikamente: Risiko im Vergleich höher
Für die Studie verglichen Forschende der University of Pennsylvania Gesundheitsdaten von Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Eine Gruppe bekam GLP-1-Medikamente (unter anderem mit den Wirkstoffen Semaglutid, Tirzepatid und Liraglutid). Die andere Gruppe wurde mit anderen Diabetesmedikamenten behandelt: entweder SGLT-2-Hemmer, die dafür sorgen, dass mehr Glukose über den Urin ausgeschieden wird, oder DPP-4-Hemmer, die körpereigene Hormone länger wirken lassen und die Insulinausschüttung steigern.
Dabei zeigte sich: Das Risiko für Haarausfall war in der Gruppe mit GLP-1-Medikamenten höher; im Vergleich zu der mit SGLT-2-Hemmern um 37 Prozent, gegenüber der mit DPP-4-Hemmern sogar um 68 Prozent. Die hohen Prozentzahlen seien allerdings mit Vorsicht zu interpretieren, betont Studienmitautorin Bingyu Zhang gegenüber BR24. Denn die absoluten Zahlen seien gering: „Es muss niemand in Panik geraten.“
Dennoch nur wenige Fälle
In absoluten Zahlen blieb Haarausfall selten. „Wenn ich 1.000 Diabetes-Typ-2-Patienten ein Jahr lang mit GLP-1-Medikamenten behandle, dann werden nach diesen Daten sechs bis sieben über einen Haarausfall berichten“, ordnet Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums in Düsseldorf, ein. Bei den Vergleichsmedikamenten seien es ungefähr vier bis fünf Fälle. „Das sind keine dramatischen Erhöhungen.“
Bleibt der Haarausfall dauerhaft?
Das erhöhte Risiko betraf in der Studie vor allem sogenannten nicht-vernarbenden Haarausfall. Dabei wird die Haarwurzel nicht durch Narbengewebe zerstört. Die Haarfollikel bleiben grundsätzlich erhalten, sodass Haare wieder nachwachsen können.
Ob das tatsächlich geschah und wie ausgeprägt der Haarausfall war, lässt sich aus der Studie allerdings nicht ablesen. Diabetologe Stephan Martin berichtet aus seiner Praxiserfahrung, dass Patientinnen und Patienten zwar immer wieder über Haarausfall berichten. Frage er einige Monate später noch einmal nach, habe sich das Thema aber häufig bereits erledigt.
Liegt der Haarausfall am Medikament oder an der Gewichtsabnahme?
Eine weitere Einschränkung: Die Arbeit wertet bereits vorhandene Patientendaten aus. Sie ist keine klinische Studie, bei der Patienten zufällig ein Medikament oder ein Placebo zugeteilt wurde, erklärt Zhang. Somit lässt sich zwar ein Zusammenhang feststellen, aber nicht, ob die Medikamente tatsächlich für einen Haarausfall verantwortlich waren.
Ebenso wenig wurde gezeigt, ob Menschen umso häufiger Haare verlieren, je mehr oder je schneller sie abnehmen, so Zhang. Hinweise darauf gibt es aber: Bei Wegovy und Mounjaro steht Haarausfall unter den möglichen Nebenwirkungen. Und in den Zulassungsstudien von Wegovy trat er häufiger bei Menschen auf, die mindestens 20 Prozent ihres Körpergewichts verloren hatten.
Welche anderen Ursachen kann der Haarausfall haben?
Grund dafür könnte aber auch der schnelle Gewichtsverlust insgesamt sein. Studien (externer Link) haben dieses Phänomen bereits früher beobachtet.
Eine weitere mögliche Ursache sei, dass Menschen bei einer starken Gewichtsabnahme häufig nicht mehr ausreichend und ausgewogen essen, so Diabetologe Martin. Dadurch könnten beispielsweise Eisen- oder Zinkmangel entstehen, die wiederum das Haarwachstum beeinträchtigen können.
Ausgewogen essen, Nährstoffmangel abklären
Ob sich der mögliche Haarausfall gezielt verhindern lässt, ist bisher nicht untersucht. Eine spezielle Ernährung oder bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, die davor schützen, gibt es nach derzeitigem Wissen nicht. Stephan Martin warnt deshalb vor einfachen Versprechen: „Da gibt es keine harten Daten.“
Sinnvoll sei es aber in jedem Fall, beim Essen und Trinken auf eine ausreichende Versorgung mit Energie, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen zu achten. Besteht der Verdacht auf einen tatsächlichen Nährstoffmangel, sollte dieser gezielt ärztlich abgeklärt werden, statt Nahrungsergänzungsmittel auf Verdacht einzunehmen.

