Schmetterlinge sind wechselwarme Tiere. Ihre Körpertemperatur hängt von der Umgebung ab. Grundsätzlich mögen sie es gerne warm. Aber einem dunklen, kleinen Schmetterling, der mehr Wärme aufnimmt als ein heller Zitronenfalter, kann es auch irgendwann zu warm werden. Er passt sich dann nicht an den Standort an, wo er lebt, sondern er wandert in kühlere Gebiete aus.
Warum wandern manche Schmetterlinge bergauf?
In den Alpen ist das weiter oben: Mit zunehmender Höhe sinkt in den allermeisten Fällen die Temperatur; je nach Luftfeuchtigkeit pro 100 Höhenmeter um etwa 1 Grad Celsius. Weiter unten im Tal leben zum Beispiel Kohlweißlinge, die weiße Flügel mit kleinen schwarzen Flecken haben und mehr Hitze vertragen.
Die Zoologin Esme Ashe-Jepson von der Universität Würzburg hat dazu eine aktuelle Studie im Fachblatt Communications Biology (externer Link) veröffentlicht: „In niedrigen Lagen können große Arten hohe Körpertemperaturen besser vermeiden als kleine. Dunkle Arten weisen mit abnehmender Höhe verbesserte Fähigkeiten zur Thermoregulation auf, haben aber letztendlich durchgehend höhere Körpertemperaturen als helle Arten.“
Weltweit verschieben Schmetterlinge ihre Verbreitungsgebiete
Die Ergebnisse der Würzburger Studie decken sich mit einer international ausgerichteten Studie, die im August im Fachblatt Nature Ecology and Evolution (externer Link) veröffentlicht wurde. Forschende aus Melbourne, Hamburg, Jena und Leipzig haben Daten von fast 1.800 Schmetterlingsarten in 105 Ländern zusammengetragen.
Der Klimawandel hat ganze Ökosysteme in Bewegung gesetzt, verändert oder auch zerstört. Schmetterlinge dienen als eine Art Fieberthermometer der Ökosysteme, weil sie Veränderungen frühzeitig und deutlich aufzeigen. 80 Prozent der untersuchten Arten zeigen Wanderungsbewegungen. Die Klimafolgenforscherin Kerstin Jantke von der Universität Hamburg fasst zusammen: „Wenn sich ihre Verbreitungsgebiete so stark verschieben, dann zeigt das einfach, wie tiefgreifend der Klimawandel bereits in die natürlichen Lebensgemeinschaften eingreift.“
Warum Schmetterlinge in den Tropen besonders gefährdet sind
In den Bergen ist es den Tieren möglich, in höhere Gefilde auszuweichen. Im tropischen Tiefland wie etwa im Amazonasbecken, wo es die größte Vielfalt an Schmetterlingen gibt, besteht diese Möglichkeit oft nicht, gibt Kerstin Jantke zu bedenken: „Wenn es in den Tropen also noch wärmer wird, können sie oft nicht einfach irgendwohin ausweichen und könnten dann vom Aussterben bedroht werden.“ Außerdem sind Schmetterlinge in den Tropen besonders stark an ihre ganz spezielle Umgebung angepasst. Wenn es wärmer wird, können sie das oft nicht kompensieren.
Auch im Bayerischen Wald suchen Schmetterlinge nach Kühlung
Der Biologe Andreas Segerer von der Zoologischen Staatssammlung in München beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Faltern aller Art. Seine Untersuchungen im Bayerischen Wald haben ähnliches gezeigt wie die Würzburger Studie: „Es gibt bei den Verbreitungsgebieten massive Verschiebungen. In dem Sinne, dass viele Arten weiter in die Höhen gehen, wo sie vorher nicht vorgekommen sind.“ Die Verbreitungsgebiete der Tiere werden also grundsätzlich größer, ihre Gesamtzahl aber eher geringer.
Was Schmetterlinge neben dem Klimawandel bedroht
Im Klimawandel mit mehr Hitze und Starkregen sieht Andreas Segerer nur eine Ursache, warum Ökosysteme an ihre Belastungsgrenze kommen und Schmetterlingsarten aussterben: „Das liegt einfach daran, dass viel zu viel Dünger, viel zu viele Gifte in der Umwelt sind, die Habitate immer weniger werden und keine Vernetzung von Habitaten mehr stattfindet.“ Das heißt: Intensive Landwirtschaft und gleichzeitig immer mehr Flächenversiegelung durch Straßen und Neubaugebiete machen es den Schmetterlingen zunehmend schwer: Ihre Lebensgrundlage schwindet.
Deshalb sollten bei der Planung neuer Naturschutzgebiete die Bedürfnisse von Insekten wie Schmetterlingen stärker einfließen. Auch in Bayern, zeigen aktuelle Studien, verändern sich die Schmetterlingspopulationen stark und stehen unter Druck.

