Der Beginn ist bedrückend. Ein alter Buick folgt einem Militär auf einem Motorrad durch halbzerstörte Häuserschluchten und Schuttberge. Am Steuer Sandra Hüller, neben ihr Hanns Zischler. Ihre Minen düster. Sie spielen Vater und Tochter, Erika und Thomas Mann, und kehren zurück in ihr „Vaterland“.
Es ist das Jahr 1949, Thomas Mann, Literaturnobelpreisträger und seit der Machtübernahme der Nazis in den Staaten lebend, wird von seiner Tochter auf einer Lesereise durch Nachkriegsdeutschland begleitet – Ost und West. Gleichzeitig stirbt Sohn Klaus. Ein Selbstmord, der emotional von der ganzen Familie Mann verdrängt wird.
Eine Familienkrise stellvertretend für ein ganzes Land
Hauptdarstellerin Sandra Hüller erzählt: „Das ist ein sehr besonderer und bedrückender Moment, in dieses Land wieder einzureisen, das die Manns in Not eigentlich verlassen haben. Und Deutschland ist eben vollkommen verändert und dann kommt der tragische Verlust von Klaus, also dieses Spannungsfeld zwischen der Aufgabe, die sie haben, und dem, was ihnen als Familie widerfährt.“
Mit „Vaterland“, koproduziert vom Bayerischen Rundfunk, erzählt Regisseur Pawel Pawlowski von einer Familienkrise, vom Unvermögen der internen Kommunikation, vom Unvermögen, den Schmerz über Unfassbares zuzulassen. Sein Film ist still, klein und doch in der Dimension seiner Beobachtung großräumig. Das Wahren der Haltung unter innerlich schwerstem Leid spiegelt ganz intim das Befinden des Deutschlands von 1949 wider. Ein Land im Umbruch, zerstört, innerlich zerrüttet, depressiv. Ein Land, das sich wieder zusammenfinden muss, nachdem es aktiv daran mitgewirkt hat, Zivilisationen auszulöschen.

