Nullerjahre-Kultur: Britney Spears und die Paparazzi
Die Nullerjahre scheinen auf den ersten Blick ein medialer Wendepunkt zu sein: Musik und Fernsehen sind ab jetzt frech und progressiv. Doch der Fall Britney Spears zeigt, dass auch nach der Jahrtausendwende Frauen permanent auf ihr Aussehen reduziert und öffentlich beschämt werden. Britney Spears wird jetzt zur Zielscheibe der Paparazzi. Einzelne Fotos von ihr sollen in den Nullerjahren bis zu 500.000 US-Dollar wert sein. Die Motive sind immer gleich: Britney Spears beim Rauchen, unterwegs mit ihren Kindern, nachts an irgendeiner Tankstelle.
Als sie sich 2007 die Haare rasiert, wird aus einem Moment der Rebellion die Erzählung über einen Zusammenbruch. Dass kurz darauf mit „Blackout“ ihr stärkstes Album erscheint, passt nicht in dieses Mediennarrativ. Bevor ein Gericht ihr dann offiziell die eigene Mündigkeit abspricht, greifen Öffentlichkeit und Fans dieser Entscheidung zuvor. Denn in den Nullerjahren konsumieren, kommentieren und klicken alle genau diese Variante von Britneys Geschichte: Sie sei zu sexy, zu unkontrolliert, zu fertig.
Von der Vormundschaft ins Karriereende?
2008 übernimmt also ganz offiziell per Gerichtsentscheid Britneys Vater im Rahmen einer Vormundschaft die Kontrolle über ihr Leben. Die Begründung: Sie bräuchte Hilfe und müsse vor fremden Einflüssen geschützt werden. Ihr Vater bestimmt nun über ihr Vermögen, medizinische Entscheidungen und ihren Alltag. Eine dreizehnjährige Odyssee, in der Britney zum Arbeiten gezwungen worden und sogar gegen ihren Willen in einer medizinischen Einrichtung festgehalten worden sein soll. Erst 2021 spricht sie öffentlich über ihre Situation – und setzt endlich das Ende der Vormundschaft durch.
Heute macht sie keine Musik mehr. Paparazzi-Aufnahmen sind selten geworden. Stattdessen sieht man sie vor allem hier: auf Instagram. Ihre selbst produzierten Tanzvideos werden in Kommentarspalten als seltsam abgetan, aber genau darin liegt vielleicht die Pointe: Britney Spears hat sich von der Meinung anderer emanzipiert. Auf Social Media kuratiert sie ihren Auftritt nach eigenem Gusto, unabhängig von Produzenten, Verkaufszahlen und Publikum. Ein Comeback in den Mainstream-Pop? Mit Blick darauf, wie die Öffentlichkeit Britney und ihren Körper in der Vergangenheit kommentiert hat, eher unwahrscheinlich.

