Bis auf das Namensschild deutet von außen nicht viel darauf hin, was den Gast hinter den Mauern des Hotels „Rock&Chill“ in Drachselsried im Landkreis Regen erwartet. Doch wenn man durch die Eingangstür tritt, ist schnell klar: Hier ist der Name Programm.
Ein Bier zur Begrüßung
Die Lobby ist weitestgehend in schwarz gestrichen. An den Wänden und im Boden lassen sich goldene Schallplatten diverser Metal-Bands bewundern – die natürlich nicht alle echt sind. Und schließlich sind auffällig viele Gäste in Band-Shirts unterwegs. Zur Begrüßung bietet Chefin Theresa Falter jedem Neuankömmling gleich ein Bier an. Die 39-Jährige führt das Hotel mit ihrem Mann Marinus in dritter Generation, hat es 2017 von ihrem Vater übernommen. 2023 folgte dann die große Neugestaltung.
„Unterirdische Auslastung“ vor der Umgestaltung
„Im Bayerischen Wald muss man ein bisschen herausstechen“, sagt Theresa Falter, „es gibt sehr viele Beherbergungsbetriebe. Und da wir sehr klein sind, haben wir uns gedacht, wir müssen etwas Spezielles machen.“ Jodelromantik sei außerdem nicht ihr Geschmack ergänzt sie noch.
Die beiden Hotelbetreiber sind selbst große Metal-Fans. Aber die Leidenschaft war nicht der einzige Grund für den Neuanfang vor drei Jahren. „Wir hatten eine unterirdische Auslastung“, beschreibt Falter die Zeit rund um die Corona-Pandemie. Doch nach der Neueröffnung als Heavy-Metal-Hotel kam der Erfolg: „Wir sind dann von knapp 30 Prozent auf über 60 Prozent Auslastung gestiegen – und das binnen des ersten Jahres. Das war wirklich: wow.“
Totenkopftoiletten
Der Gang durchs Hotel ist wie eine musikalische Entdeckungsreise. Überall kommt Heavy Metal aus den Boxen – allerdings metal-untypisch eher leise. Die Gästetoilette neben der Rezeption ist ein Erlebnis. Bei den Männern finden sich schwarze Urinale in Totenkopfform. Und auch die Toiletten sind als Totenköpfe gestaltet – sie erstrahlen in goldener Farbe. Bei den Frauen ist die Gästetoilette zweigeteilt. Links schwarz für weibliche Metal-Fans, rechts pink für die, denen es etwas zu rockig zugeht.
In den Zimmern setzt sich der Musik-Stil fort: Vinyl-Schallplatten in Bilderrahmen, Trommeln als Tische, Zahnputzbecher, auf denen „Beer and Tooth“ steht – Bier und Zahn. Der Wellness-Bereich mit Saunen und Schwimmbad wirkt dagegen relativ hotelüblich – wobei es in den Nachbarhotels wohl eher keine Whisky-Cola-Dosen im Kühlschrank geben dürfte.
Hauptsächlich Metal-Fans als Gäste
Trotz des neuen Mottos seien auch einige Stammgäste geblieben, die keinen Heavy-Metal-Hintergrund haben, sagt Chefin Therea Falter. Ein großer Teil der Gäste käme aber aus der Szene. So wie Iris aus Nürnberg. Im öffentlichen Restaurant trifft sie auch Menschen, denen ihre Lieblingsmusik zu hart ist. Dass das im Hotel selbst etwas anders ist, findet sie gut: „Die Gäste sind einfach entspannter, sind andere Menschen als in anderen Hotels. So unter Gleichgesinnten ist es schöner.“
Und klar: Im Restaurant sitzt man auf gepolsterten Instrumentenkoffern. Von der Decke strahlen zu Lampen umfunktionierte Trommeln und Grammofone. Auch hier kommt dezent Heavy-Metal aus den Boxen. Das Rock&Chill im Bayerischen Wald ist vielleicht nicht für jeden Geschmack das Richtige. Etwas Besonderes ist es aber auf jeden Fall.

