Grippeimpfung vor dem Anstich: Wann spätestens?
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts [externer Link] dauert es nach einer Grippeimpfung etwa zehn bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Die Schutzwirkung entwickle sich bereits in den ersten Tagen schrittweise, erklärt Infektiologe Spinner: Wer zum Oktoberfestbeginn geschützt sein wolle, sollte sich „mindestens eine Woche zuvor“ impfen lassen, denn dann hat man bis zum Anstich bereits einen wesentlichen Teil dieser Zeit hinter sich.
Die „Wiesngrippe“ gibt es eigentlich nicht
Gegen Influenza, RSV und Sars-CoV-2/Covid kann man sich impfen lassen. Aber selbst ein guter Impfschutz verhindert nicht eine Infektion mit der sogenannten „Wiesngrippe“. Denn „die gibt es eigentlich nicht“, erklärt Spinner: Die „Wiesngrippe“ sei ein „Sammelbegriff aus vielen verschiedenen“, meist viralen Atemwegserkrankungen. Dahinter können Rhinoviren oder Adenoviren ebenso stecken wie Coronaviren, Influenza oder RSV. Das sind auch die Viren, die Fachleuten zufolge rund um das Oktoberfest gehäuft auftreten und im Abwasser nachweisbar sind.
Das Phänomen der „Wiesn-Grippe“, also Erkältungssymptome und allgemeine körperliche Abgeschlagenheit nach dem Oktoberfest-Besuch, sei ein Hinweis auf eine mögliche Ansteckung mit diesen Viren. Hinzu kommen typische Wiesn-Bedingungen. Spinner nennt etwa Schlafmangel und übermäßigen Alkoholkonsum. Für ihn ist das zusammen mit vielen zwischenmenschlichen Kontakten eine „perfekte Kombi für eine Erkältung“.
Kann man sich impfen lassen gegen die „Wiesn-Grippe“?
Auch wenn es die „Wiesn-Grippe“ eigentlich nicht gibt, kann man kann sich gegen einige Viren impfen lassen, die während des Oktoberfests zirkulieren: Influenza, RSV und Sars-CoV-2/Covid. Ein kombinierter Impfstoff gegen Grippe und COVID-19 ist in der EU bereits seit April zugelassen. Der Impfstoff mCOMBRIAX von Moderna darf bei Menschen ab 50 Jahren eingesetzt werden, ist in Deutschland derzeit aber noch nicht verfügbar. Aber man kann sich an einem Tag auch gegen mehrere Erreger impfen lassen, sagt Spinner: „Unser Immunsystem ist ohne Weiteres in der Lage, auch gegenüber mehreren Erregern gleichzeitig Abwehrkräfte zu entwickeln“, sagt Spinner. Besonderheiten gibt es bei bestimmten Lebendimpfstoffen (zum Beispiel bei der Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln). Die würden aber ohnehin meist schon im Kindesalter verimpft.
Impfung jetzt: Reicht der Schutz bis zur Grippesaison?
Für den optimalen Schutz über den Winter wäre Spinner zufolge bei Influenza eigentlich ein etwas späterer Termin günstiger. „In einer idealen Welt“ würde er gegen die echte Virusgrippe eher Ende Oktober oder Anfang November impfen. Denn die Zahl der Influenza-Infektionen erreicht ihren Höhepunkt meist erst um die Weihnachtszeit oder Anfang Januar. Der Impfschutz lässt jedoch im Laufe der Monate nach. Trotzdem hält Spinner den Herbst generell für den richtigen Zeitpunkt: Jeder Arzttermin sei da eine gute Gelegenheit, den eigenen Impfschutz gegen Atemwegserkrankungen überprüfen zu lassen.

