„Willkommen zur KI-unterstützen Fahrt mit Autobrains – lehnen Sie sich zurück und genießen Sie die Fahrt!“ So begrüßt mich das selbstfahrende Robotaxi der Firma Autobrains. Das Fahrzeug, ein gewöhnliches Elektroauto der Marke Ford Mustang Mach-E, ist von außen lediglich durch einen Dachträger zu unterscheiden. Darauf sind sechs Kameras montiert, die einen 360 Grad Rundumblick ermöglichen. Die Kameras sind die Augen der künstlichen Intelligenz, die darüber die Strecke scannt, Gefahren und Hindernissen ausweichen soll, erklärt Igal Raichelgauz, CEO bei Autobrains: „Autonomes Fahren war immer eine Vision, aber jetzt ist es Realität mit tausenden Fahrzeugen auf den Straßen.“
Seit drei Monaten im Einsatz, aber nur mit Sicherheitsfahrer
In München sind es allerdings nur einige wenige Robotaxis, mit denen Autobrains unterwegs ist. Seit rund drei Monaten sammelt das Startup seine Testkilometer, immer mit Sicherheitsfahrer hinter dem Lenkrad. Autonomes Fahren der Stufe 3 nennen das die Experten.
Der Sicherheitsfahrer kann in Gefahrensituationen jederzeit eingreifen. Bei unserer Testfahrt wird es das später auch tun.
Ziel: Fahren ohne Sicherheitsfahrer Ende 2027
Stufe 4, das Fahren komplett ohne menschliche Begleitung, ist das Ziel aller autonomen Fahrsysteme. In München testen daran neben Autobrains aktuell auch die Chinesen von „Momenta“ und der US-Anbieter „Waymo“, eine Google-Tochter.
Autobrains und Momenta sind im Auftrag des US-amerikanischen Fahrdienstes Uber unterwegs. Raichelgauz verfolgt einen sehr ambitionierten Zeitplan. „Wir haben ein sehr aggressives Timing. Wir wollen nächstes Jahr mit Uber den Dienst mit Fahrgästen starten. Das wird der erste Meilenstein. Ziel ist es dann, bis Ende 2027 ganz auf den Fahrer zu verzichten.“
TUM deutlich verhaltener
Bei der Technischen Universität München verfolgt man die jüngsten Initiativen mit großem Interesse. Schon länger hat die TUM mit dem Van „Edgar“ ein eigenes Fahrzeug auf der Straße. Edgar dient als Dummie und Technologieträger für spätere Shuttle und Bus-Dienste, erklärt Professor Markus Lienkamp: „Unser Ziel ist, das Ganze auf einen Stadtbus zu übertragen. Das werden wir nächstes Jahr machen, zusammen mit MAN, sodass wir einen Stadtbus komplett automatisieren und hier auf einer fixen Strecke in München fahren lassen.“ Mit ersten Zulassungen rechnet Lienkamp für das Jahr 2030.
Der Selbstversuch ruckelt an mehreren Stellen
Automatisiert, vom Computer gesteuert, durch Stadt und Land. Unser Robotaxi chauffiert uns zwar sehr sanft und geschmeidig durch den Münchener Norden, reagiert für mein Empfinden gelegentlich aber auch schlicht zu langsam.
Auf dem Frankfurter Ring erkennt die KI einen parkenden Lieferwagen mit eingeschalteter Warnblinkanlage unangenehm spät, reagiert dann mit einem abrupten Abbrems- und Ausweichmanöver. Auch eine rote Ampel in der Tempo-30-Zone wird erst spät erkannt: Wir kommen mit hartem Bremsmanöver zum Stehen.
Unser Selbstversuch ruckelt also noch an der ein oder anderen Stelle. Wie jede neue Technologie hat auch das Robotaxi eben noch so seine Kinderkrankheiten.
Lösungen für den ÖPNV auch auf dem Land
Trotzdem gehört dem autonomen Fahren die Zukunft, davon ist man auch bei der Stadt München überzeugt. Mobilitätsreferent Georg Dunkel beobachtet die privaten Initiativen der Robotaxi-Anbieter genauso interessiert wie das Engagement der TUM.
Gesucht würden Lösungen, nicht nur für München, nahezu alle Landkreise und Kommunen hätten Interesse an der neuen Technik. Dunkel will daher darauf achten, „dass es keine reine Rosinenpickerei gibt, bei der nur die attraktiven Strecken von den Anbietern bedient werden. Es gehe um gemeinsame Lösungen auch für den ländlichen Raum.
Allein in München sieht der Mobilitätsreferent einen Bedarf von vier- bis fünftausend autonomen Shuttle-Fahrzeugen, erwartet diese aber nicht vor 2035 bis 2040.
Wenn Du es in München schaffst …
„Wenn Du es im chaotischen Verkehr von Asien schaffst und dann auch in München mit den strengen Vorschriften, dann kannst Du es überall schaffen, lautet das Credo von Raichelgauz. Er ist zuversichtlich hinsichtlich seiner Ziele für München.
Ob es der Firma gelingt, in München und schon Ende 2027 völlig autonom unterwegs sein wird, werden die nächsten Monate zeigen.
Mein Robotaxi bedankt sich am Ende der Fahrt jedenfalls sehr freundlich: „Danke für ihren Flug mit unserem KI-Taxi. Keine Turbulenzen.“ Dem stimme ich zwar nicht ganz uneingeschränkt zu, aber die Zukunft des Autonomen Fahrens hat auch in Bayern definitiv begonnen.

