Boris Pistorius scheint mit dem Verlauf seiner US-Reise zufrieden zu sein. Erst vereinbart der SPD-Verteidigungsminister mit seinem amerikanischen Kollegen Pete Hegseth, bei Rüstungsprojekten noch stärker zusammenzuarbeiten. Keine Selbstverständlichkeit angesichts wachsender Zweifel an der Bündnistreue der Trump-Regierung. Und nun wird der erste F-35-Jet an die Bundeswehr übergeben. „Für die Luftwaffe beginnt ab jetzt eine neue Ära“, sagt Pistorius. Der Jet sei „das modernste Kampfflugzeug der Welt“. Welche Fähigkeiten zeichnen die F-35 aus? Wo liegen Risiken? Antworten auf wichtige Fragen.
Warum braucht die Bundeswehr einen neuen Kampfjet?
Mit der F-35 will die Luftwaffe nach und nach die Tornado-Jets ersetzen, die inzwischen in die Jahre gekommen sind. So soll garantiert werden, dass Deutschland auch in Zukunft seine Aufgaben im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe erfüllen kann. Damit ist gemeint, dass die Bomber im Ernstfall in der Lage sein müssen, US-amerikanische Atomwaffen ins Ziel zu bringen. Insofern sind die neuen F-35-Jets Teil der Abschreckungsstrategie des westlichen Bündnisses. Russland soll davon abgehalten werden, ein europäisches Nato-Land anzugreifen.
Was kann der Kampfjet aus den USA sonst noch?
Die F-35 ist ein Tarnkappenflugzeug. Das heißt: Der Jet ist laut Bundeswehr so gebaut, dass Gegner ihn nur schwer erkennen können. Das liegt zum einen an der speziellen Form, die an eine Flunder erinnert. Und zum anderen an einer speziellen Außenhülle: Deren Beschichtung kann Radarsignale absorbieren. Außerdem sind Kraftstofftanks und Bewaffnung im Rumpf verbaut. Auch das trägt dazu bei, dass die F-35 nicht leicht zu orten ist.
Darüber hinaus ist der Kampfjet dem Verteidigungsministerium zufolge flexibel einsetzbar. Nicht nur für Aufgaben im Rahmen der „nuklearen Teilhabe“, sondern zum Beispiel auch zur Bekämpfung gegnerischer Flugabwehr. Zudem ist die F-35 in der Lage, Luftschläge weit hinter einer Frontlinie auszuführen – wegen ihrer großen Reichweite von rund 2.000 Kilometern. Welche Bedeutung diese militärische Fähigkeit hat, zeigt sich im Abwehrkampf der Ukraine. In letzter Zeit gelang es den Verteidigern immer wieder, die Kriegswirtschaft der Angreifer tief im russischen Kernland empfindlich zu treffen – wenn auch überwiegend mit Drohnen.
Wie viele F-35-Jets bekommt die Bundeswehr und was kosten sie?
Der Bundestag hat Ende 2022 beschlossen, in den USA insgesamt 35 F-35-Flugzeuge zu bestellen. Die Kosten belaufen sich nach aktuellem Stand auf rund zehn Milliarden Euro. Weitere zwei Milliarden investiert die Bundeswehr in die Modernisierung des Fliegerhorsts Büchel in Rheinland-Pfalz. Dort sollen die neuen Jets stationiert werden.
Die ersten sechs F35-Flugzeuge sollen im Laufe dieses Jahres ausgeliefert werden. Zunächst bleiben sie in den USA, wo die Ausbildung von Piloten und Technikern der Bundeswehr bereits anläuft. Ende nächsten Jahres sollen die ersten Jets auf dem Militärflugplatz Büchel stehen. Und der letzte der 35 Jets wird voraussichtlich 2029 an die Bundeswehr übergeben.
Welche Risiken sind mit dem Kauf der F-35 verbunden?
In der Diskussion wird immer wieder die Sorge vor einer geheimen Vorrichtung genannt, mit der sich der Jet aus der Ferne abschalten ließe. Allerdings versichert die Bundeswehr, die F-35 habe keinen solchen „kill switch“. Und doch scheinen nicht alle Bedenken aus der Luft gegriffen. Fachleute führen etwa den hohen Wartungsaufwand an, bedingt durch die technische Komplexität des Tarnkappenbombers. Ein weiterer Punkt: Die verbaute Software macht es nötig, dass das System verlässlich mit Updates versorgt wird. Aus Sicht von Kritikern baut Deutschland mit dem Rüstungsprojekt seine militärische Abhängigkeit von den USA aus, statt sie zu verringern.
Unterm Strich überwiegen für die Bundesregierung aber die Vorteile des neuen Jets. Neben den genannten Fähigkeiten wird auch angeführt, dass etliche Länder auf die F-35 setzen: allein in Europa seien es 13. Dies erleichtert es, Kampfjets verbündeter Länder koordiniert einzusetzen.
Welche anderen Rüstungsprojekte sind mit den USA geplant?
Die Liste ist lang. Die Bundeswehr soll in den kommenden Jahren beispielsweise 60 moderne Transporthubschrauber vom Typ CH-47F bekommen, auch als „Chinook“ bekannt. Auch bei der Luftverteidigung wird die Zusammenarbeit vertieft. So sollen Patriot-Raketen demnächst auch in Deutschland hergestellt werden: im oberbayerischen Schrobenhausen. Zudem haben beide Seiten vereinbart, dass Deutschland Tomahawk-Marschfügkörper in den USA kauft.

