Stromer liegen im Trend. Bei den deutschen Herstellern lagen die Auftragseingänge für reine E-Autos von Januar bis August hierzulande 64 Prozent über denen des Vorjahreszeitraums. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) spricht bei einzelnen Modellen inzwischen von verlängerten Lieferzeiten. Von einem allgemeinen Mangel könne dennoch keine Rede sein, so der VDA. Der Grund: Inzwischen bieten die deutschen Hersteller rund 110 reine E-Modelle an und passen ihre Produktion an die Nachfrage an.
Kein allgemeiner Engpass bei E-Autos
Auch der Elektromobilitätsforscher Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) sieht „keine Anzeichen für eine echte Knappheit“. Zwar gebe es bei einigen Modellen längere Lieferzeiten, grundsätzlich sei das Angebot aber ausreichend, erklärte Plötz auf BR24-Anfrage. Begrenzter sei die Auswahl weiterhin bei Mini- und Kleinwagen. Ein genauer Blick auf den Markt zeigt deshalb ein uneinheitliches Bild: Je nach Modell, Preisklasse und danach, ob es um einen Neu- oder Gebrauchtwagen geht, unterscheidet sich das Angebot deutlich.
Auch die Autohäuser sehen keinen generellen Engpass. Viele Marken und Händler hätten Elektro-Neuwagen kurzfristig verfügbar, teilte der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) BR24 mit. Länger dauern könne es bei einzelnen Modellen, Ausstattungen oder individuellen Konfigurationen. Systematische Beschaffungsprobleme gebe es nicht. Anders sieht es bei günstigen Gebrauchten aus: E-Autos bis etwa 25.000 Euro seien weiterhin besonders gefragt und ließen sich entsprechend schnell verkaufen.
Gebrauchte E-Autos werden immer beliebter
Besonders deutlich zeigen die Zahlen, wie stark sich der Gebrauchtmarkt verändert hat. Von Januar bis August wechselten laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 230.000 gebrauchte Elektroautos den Besitzer, gut 59 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sank ihre durchschnittliche Standzeit beim Handel von 93 Tagen im April auf 74 Tage im August. Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) wertet die Daten zum Automobilmarkt aus. Hohe Nachfrage gebe es besonders nach etwa drei Jahre alten Leasingrückläufern im günstigeren Preissegment. Höherpreisige E-Autos stehen dagegen länger.
Dass der Run gerade jetzt kommt, hat mehrere Gründe. Ein wichtiger Treiber sind die stark gestiegenen Spritpreise seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar. Auch die neuerliche staatliche Förderung gibt der Nachfrage zusätzlichen Schub. Zugleich ist der Markt deutlich breiter geworden: Nach Angaben des Fraunhofer ISI hat sich die Zahl angebotener E-Modelle zwischen 2020 und 2025 von 38 auf 159 erhöht. Vergleichbare E-Autos wurden inflationsbereinigt zugleich günstiger.
Es gibt Anzeichen einer Entspannung
Die DAT beobachtet inzwischen wieder wachsende Gebrauchtwagenbestände, weil fortlaufend Leasingrückläufer auf den Markt kommen. Eine allmähliche Entspannung sei deshalb wahrscheinlich, auch wenn sie davon abhänge, wie hoch Nachfrage und Kraftstoffpreise blieben, so der Leiter DAT-Fahrzeugbewertung, Martin Weiss, zu BR24. Gebrauchte Elektroautos kommen allerdings nur zeitversetzt aus früheren Neuzulassungen und Leasingverträgen auf den Markt.
Beim Kauf gibt es viel zu beachten
Wer über ein E-Auto nachdenkt, sollte zunächst prüfen, welches Fahrzeug zum eigenen Alltag passt. Verbraucherzentralen empfehlen, Batteriegröße und Ladeleistung am persönlichen Fahrprofil auszurichten, statt möglichst große Reichweiten zu kaufen. Entscheidend ist auch, wo geladen werden kann: Wer überwiegend zu Hause lädt, hat meist andere Kosten als jemand, der auf öffentliche Ladesäulen angewiesen ist. Dort sollten neben dem Kilowattstundenpreis auch Grundgebühren und Vertragsbedingungen verglichen werden.
Bei einem gebrauchten E-Auto kommt die Batterie als besonderer Prüfpunkt hinzu. Der TÜV rät, den sogenannten State of Health, also den Gesundheitszustand des Akkus, von einem unabhängigen Anbieter prüfen zu lassen. Auch Batteriegarantie und Ladefähigkeit sowie klassische Verschleißteile wie Bremsen und Fahrwerk sollten Käufer kontrollieren. Gerade bei den stark gefragten günstigeren Gebrauchten sollte ein knappes Angebot kein Grund sein, auf solche Prüfungen zu verzichten.
Wer einen Neuwagen bestellt, sollte zudem Liefertermin und Preis möglichst konkret schriftlich festhalten und auf mögliche Preisänderungsklauseln achten. Ein klar bestimmter Liefertermin kann wichtig werden, wenn sich die Auslieferung verzögert. Vor dem Kauf lohnt auch ein Blick auf die Förderbedingungen: Für neue E-Autos sind derzeit je nach Einkommen und Familiengröße bis zu 6.000 Euro Zuschuss möglich. Wer bei Modell, Ausstattung oder Farbe flexibel ist, erhöht zudem die Chance, schneller ein verfügbares Fahrzeug zu finden.

