Nach mehr als sechs Jahren hört der Satiriker Jan Böhmermann zum Jahresende mit seiner Show „ZDF Magazin Royale“ auf. Das Magazin werde nach mehr als 187 Sendungen und zahlreichen Auszeichnungen, darunter der Grimme-Preis, der Deutsche Fernsehpreis und der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, in der bisherigen Form auslaufen, teilte das ZDF mit. Man befinde sich „aktuell in guten Gesprächen mit Jan Böhmermann zu einem möglichen neuen Show-Konzept“, hieß es weiter.
ZDF will Zusammenarbeit mit Böhmermann fortsetzen
ZDF-Programmdirektorin Nadine Bilke sagte, man würde sich freuen, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Böhmermann fortzusetzen und „gemeinsam ein neues Show-Kapitel aufzuschlagen“. Über Inhalte gab es zunächst keine weiteren Informationen. Über das Ergebnis der Gespräche werde das ZDF zu gegebener Zeit informieren, hieß es weiter.
Mit ihrer „Mischung aus Satire und Investigation“ stoße die Sendung „regelmäßig wichtige Diskurse in der Öffentlichkeit an“ und sei deswegen „zu Recht preisgekrönt“, sagte Bilke.
Böhmermann: „Ich möchte noch mal eine andere Sendung machen“
Böhmermann selbst sagte laut ZDF-Mitteilung: „Ich möchte noch mal eine andere Sendung machen“. Der 45-Jährige ist bekannt für seinen provokanten Witz und klare Positionen. Neutral sind seine Sendungen nicht, des Öfteren stoßen sie Debatten an. Fans schätzen ihn gerade dafür, seine Kritiker hingegen weniger.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Show-Formate von Böhmermann im ZDF weiterentwickelt werden. Gestartet im Jahr 2013 als „Neo Magazin“ und später für knapp fünf Jahre als „Neo Magazin Royale“ auf ZDFneo, kam das „ZDF Magazin Royale“ 2020 ins Hauptprogramm des ZDF.
Tanzorchester Ehrenfeld: Tournee offenbar abgesagt
In den vergangenen Jahren war bereits zu merken, dass der 45-Jährige sein Schaffen breiter aufstellt. Seit Mitte Juli ist die fünfte Staffel von „Böhmi brutzelt“ (ZDFneo) zu sehen. Daneben ist er zusammen mit Olli Schulz im Podcast „Fest & Flauschig“ zu hören. Auch an Kunstausstellungen hat er sich schon versucht.
Anfang 2027 wollte Böhmermann auf eine Tournee mit dem aus seiner Show bekannten Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld gehen. Laut Medienberichten ist die Tournee „Auf! Auf! Ehrenfeld!“ nun abgesagt.
Böhmermann hat mit seinen Sendungen immer wieder für Aufsehen und Aufregung gesorgt – etwa 2016 mit einem Schmähgedicht gegen den türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan oder im Jahr zuvor mit einer Satire über den „Stinkefinger“ des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis.
Rechtsstreit gegen Schönbohm verloren
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte auch eine Sendung über den damaligen BSI-Präsidenten Arne Schönbohm. Böhmermann hatte 2022 mögliche Verbindungen Schönbohms nach Russland thematisiert. Kurz darauf wurde Schönbohm als BSI-Präsident abberufen.
Der Fall hatte auch ein juristisches Nachspiel: Das Oberlandesgericht München entschied später, dass Aussagen der Sendung beim Publikum den falschen Eindruck erweckt hätten, Schönbohm habe bewusst Kontakte zu russischen Nachrichtendiensten gehabt. Das verletze seine Persönlichkeitsrechte. Mit seiner Forderung nach Schadenersatz scheiterte Schönbohm allerdings.
Mit Informationen von dpa und AFP.

