Für Sänger Jonas Kakoschke von der Band Kafvka war „based“ immer ein progressiver Begriff. „Ich habe vor zwei, drei Jahren ein Reel gepostet, wo ich darüber gesprochen habe, dass ich es für based halte, gegen jede Abschiebung zu sein.“ Das war die Geburtsstunde seines Songs „Based“. Doch seit einiger Zeit bemerkt die im linken Milieu verwurzelte Band aus Berlin einen Vibe-Shift.
Sucht man in den Sozialen Medien „based“ oder die eingedeutschte Version „basiert“, findet man nun Accounts, die anders als die Band Kafvka, nicht „gegen jede Abschiebung“ sind, sondern für „Remigration“. Sketchähnliche Videos und Reels mit dem Schlagwort „based“ heißen zum Beispiel „Basierter Typ grillt woke Karen“ oder „Basierte Frau bringt weltfremde Feministin zum Schweigen“.
Vom afroamerikanischen Jugendwort zu „anti-woke“
Pronomen verschwinden aus Onlineprofilen und Männer sind wieder „echte Kerle“ statt Hipster mit Gefühlen, während die AfD in Sachsen-Anhalt fast die absolute Mehrheit holt. Der linke Zeitgeist scheint zu bröckeln, die Brandmauer auch. Und Wokeness ist out. Immer häufiger taucht auf der rechten Seite ein anderer Begriff auf. Als Antithese zur Wokeness, zum Wachsein gegenüber Rassismus und anderen Diskriminierungen.
„Based war ein sehr positiv aufgeladener Begriff, der ursprünglich in einem Songtext von Lil B aufgetaucht ist. Und die Rechte, also die All-Right-Bewegung, hat diesen Begriff übernommen, um quasi an dieser positiven Bedeutung mitzunaschen“, sagt die feministische Publizistin Lea Susemichel. „Based“ meint neuerdings, zu seiner Meinung zu stehen, auch wenn sie im angeblich linken Mainstream unbeliebt ist, sagt Susemichel: „Das knüpft an diese Selbst-Heroisierung an, die ja gerade die neue Rechte oft betreibt. Also ich bin quasi jemand, der mutig genug ist, auch gegen den Mainstream zu sagen, was ich denke, auch wenn es politisch inkorrekt ist. Also based ist fast so zu einem Synonym von politisch unkorrekt geworden.“
Eine Chiffre rechter Kreise
Ausgerechnet ein Wort, das von Black Lives Matter und anderen sozialen Bewegungen häufig zusammen mit „woke“ verwendet wird, ist also zur Chiffre rechter bis extrem rechter Kreise geworden. Lea Susemichel: „Es ist aber ganz wichtig zu sehen, dass es eine Strategie ist. Also dass es einfach der Versuch ist, den Bereich des Sagbaren immer weiter nach rechts zu verschieben. Das nennt man Dog Whistle. Da wissen quasi die Eingeweihten, was mit den Begriffen gemeint ist und alle anderen halten es für einen ganz normalen, harmlosen Begriff. Und wenn man darauf angesprochen wird und konfrontiert wird, dann heißt es, das habe ich ja gar nicht so gemeint.“
Der afroamerikanische Rapper Lil B, der den Begriff „based“ geprägt und in die Popkultur getragen hatte, macht aber keine Anstalten, ihn sich nehmen zu lassen. Nur weil MAGA-Anhänger sich nun ebenfalls für „based“ halten, benennt er sich noch lange nicht um. Er tritt weiterhin als „The Based God“ auf und predigt: „You can be based with no car. No Superman clothes. Based is in the inside…“
Warum man um „based“ kämpfen sollte
Lea Susemichel ist sich nicht sicher, ob man „based“ in Zukunft noch sagen kann, ohne die neue, rechte Bedeutung mitzutragen, findet aber: „Ich bin immer dafür, um Begriffe auch zu kämpfen. Ich glaube, das ist sehr wichtig, weil über diese subtile Einflussnahme auf unser Denken über Sprache müssen wir sprechen, weil darüber tatsächlich auch faschistisches Denken in unsere Köpfe gespeist wird, wenn das nicht offengelegt wird, was da passiert.“
Für die Band Kafvka ist klar, dass sie wie Lil B auch in Zukunft based bleibt: „… dass man Respekt für alle Menschen hat, egal welcher Herkunft. Oder dass es based ist, nicht die Existenz von Leuten infrage zu stellen, weil sie eine Behinderung haben oder vielleicht queer sind.“ Darum geht’s im Prinzip auch in all ihren Liedern, meint Jonas Kakoschke. Ihre neueste Single heißt übrigens „Widerstand“.

