Ihren Fans ist sicher sofort klar, dass sie es sind: Diese catchy Beats mit Tuba und Trompete, diese messerscharfen Texte mit schrägen Einfällen und einer guten Portion Selbstironie. Dicht & Ergreifend haben sich den Status der Unverwechselbarkeit erspielt. Und mehr noch: Mit der thematischen Verknüpfung von niederbayerischem Dorfleben und globalisierter Welt haben die beiden Bandgründer Lef Dutti und Urkwell einen Nerv bei vielen getroffen, die sich dem Freistaat in irgendeiner Form verbunden fühlen. Damit wandeln sie auf den Spuren ihrer großen Vorbilder, der Biermösl Blosn, Gerhard Polt, dem Monaco Franze.
Sie können alles, auch Hochdeutsch
Und genau deshalb schlagen Dicht & Ergreifend an der nächsten Kreuzung die andere Richtung ein. Der Sound ist diesmal spürbar näher dran am Pop. „Wir haben schon immer so gemacht, dass wir die Songs, die wir machen, nicht machen, um kommerziellen Erfolg damit zu haben“, sagen die beiden im Interview. „Und wenn die mal poppiger klingt, dann liegt es daran, dass wir auch Bock auf Popmusik haben.“
Der Albumtitel „Zweiländerdreieck“ ist schnell erschlossen, wenn das Album einmal durchgelaufen ist. Dicht & Ergreifend rappen plötzlich auf Hochdeutsch – im Song „Lies“ auch mal mit Englisch und Spanisch gewürzt. Nur die Hälfte der Tracks ist auf Bairisch. Auch hier ein deutlicher Abstand zu Vorbildern wie den Biermösl. Die Wiesn-Aktion vom vergangenen Wochenende steht in ihrem kritischen Impetus allerdings wieder ganz in deren Tradition.
Musikvideo-Dreh auf der Wiesn
Um Szenen für das Musikvideo zum Song „Identität“ zu drehen, besuchten die beiden Rapper das Oktoberfest in Punk-Verkleidung. „Wir haben dann das Experiment gemacht, dass wir geschnorrt haben“, sagt Fabian Frischmann (alias Lef Dutti) im Interview. Ob sie 16 Euro für eine Maß Bier hätten, hätten sie andere Wiesn-Besucher gefragt. Schlussendlich wurden sie von der Polizei vom Festgelände verwiesen. Betteln ist auf dem Oktoberfest nämlich nicht erlaubt. So inklusiv geht es dann doch nicht zu auf dem größten Volksfest der Welt.
Lef Dutti und Urkwell pendeln seit Jahren zwischen Berlin und Niederbayern. Was in der hippen Millionenstadt politisch passiert, hat längst auch die Provinz erreicht. Auch deshalb funktioniert „Zweiländerdreieck“. Und auch deshalb beziehen Dicht & Ergreifend so deutlich Stellung wie nie zuvor. Greenwashing, völkisches Denken, Zivilcourage: Dicht & Ergreifend schonen nichts und niemanden.

