Es dürfte nur wenige Haushalte hierzulande geben, in denen nicht zumindest eine Tigerenten-Zahnbürste, -Bettdecke oder auch ein Tigerenten-Bügelbrettbezug vorhanden ist. Ihr Erfinder nannte diese Tigerente „Kitsch“, aber es hilft rein gar nichts: Janosch wird für immer mit der seit ihrer Geburt 1978 in tausenderlei Merchandising-Produkten vervielfältigten Figur verbunden bleiben.
Eine Kindheit voller Hass und Groll
Er blickte im Zorn zurück auf seine eigene Kindheit, wenn er sagte: „Ich kann Eltern nicht leiden.“ Die meisten Kinder würden nicht die Eltern bekommen, die sie verdienten. „Ich habe eine Abneigung gegen schlechte Eltern. Und deswegen tun mir die Kinder leid – viele von ihnen.“ Man müsste die Kinder fragen, nachher, wenn die Kindheit vorbei ist, wie die Eltern waren, „und die meisten werden sagen: Es war grauenhaft. Ich bin ein Anwalt der Kinder“.
Das sagte einer, der selbst keine Kinder hatte, weil ihn seine eigene schwere Kindheit voller Hass, Groll und „Welt-Unheil“ nie losgelassen hat. Horst Eckert, wie Janosch mit bürgerlichem Namen heißt, wurde von seinem Vater oft im Vollsuff verprügelt. Eine traumatische Erfahrung, die ihn nicht davor bewahrte, später selbst viel zu oft zur Flasche zu greifen. „Ich war beim Schreiben und Zeichnen besoffen“, erzählte Janosch rückblickend auf jene Zeit, in der er 1960 in einem Atelier am Ammersee einen Klassiker der Kinderliteratur schrieb: „Der Josa mit der Zauberfiedel“.
Josa, Sohn eines Köhlers, fürchtet, den Vorstellungen seines Vaters nicht gerecht werden zu können, der ihn für zu klein, zu schmächtig und nicht stark genug hält. Bis ihm sein bester Freund, ein Vogel, ein magisches Instrument schenkt und ihn darauf zu spielen lehrt. Alle, die seine Musik hören, werden groß und stark.
„Wer ist eigentlich dieser Janosch?“
Die Geschichte hat viel zu tun mit der Lebensgeschichte des gebürtigen Oberschlesiers, dem die Krakauer Germanistin Angela Bajorek 2016 eine Biographie gewidmet hat. Die Polin korrespondierte viel mit dem hochsensiblen Schnauzbartträger, wechselte über tausend E-Mails mit dem Mann, der ab 1980 auf Teneriffa lebte und angeblich am liebsten in der Hängematte lag.
„An sich finde ich die Welt nicht zum Kuscheln“, sagte er einmal. „Wenn ich die Welt beschreiben würde, wie sie wirklich ist, das habe ich ja manchmal gemacht, – die Bücher müssten eingestampft werden.“ Das würde niemand kaufen. Die Menschen würden die Welt gerne so geschildert sehen, wie sie sein soll, aber niemals sein wird. Janosch war der Überzeugung: „Man lebt ja nur von Illusionen. Wenn ich keine Illusionen hätte, wäre ich schon längst tot, ich lebe heute noch von Illusionen.“
Abgelehnt von der Münchner Kunstakademie
Das Malen gelernt hatte Janosch bei Gerhard Kadow, einem Schüler Paul Klees und Wassily Kandinskys. Seine Zeichnerei hielt er, der einst an der Münchner Akademie der Bildenden Künste abgelehnt wurde, für nichts weiter als „Kritzelei“. Koketterie? Angela Bajorek sagte 2016 gegenüber dem BR: Janosch habe mehrmals schon betont, dass er nicht malen könne.
Janosch: „Wer fast nichts braucht, hat alles“
Ein Zitat von Janosch gibt Angela Bajoreks Biographie den Titel: „Wer fast nichts braucht, hat alles.“ Er halte sich für einen Sieger, was die Freude am Leben angehe, sagte Janosch seiner Biographin in einem ihrer Gespräche. Er selbst nennt sich mit einem polnischen Wort einen „Schlingel“ und „tollen Burschen“. Wir müssen uns Janosch, diesen schnauzbärtigen Lulatsch, als einen Mann vorstellen, der auch mit 95 Jahren noch mit Strohhut in der Hängematte lag, vor seinem Haus auf Teneriffa.
Eine „Inselbegabung“, die ihre „Johnny Schnapsglas“-Phase hinter sich hatte. Ein Leben lang hat er uns Botschaften geschickt, nicht per Flaschenpost, nein: in Form von Büchern. Auch Kochbüchern mit so unnachahmlichen Titeln wie dem, der bestimmt schon manchem Erwachsenen ein heilsames Rezept gewesen ist: „Bei Liebeskummer Apfelmus“.

