BMW hat im Sommer noch einigermaßen gut verdient. Unterm Strich sank der Gewinn zwar gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 15 Prozent. Allerdings lag der Überschuss damit immer noch bei mehr als 1,4 Milliarden Euro, das ist fast so viel wie bei Mercedes und deutlich mehr als bei Audi.
Autoindustrie leidet unter China-Schwäche
Auch der Münchner Autobauer spürt die schwache Pkw-Nachfrage in China. Lange brachte der weltgrößte Automarkt den deutschen Herstellern Wachstum – und reichlich Ertrag. Doch die Zeiten sind vorbei und werden auch nicht so schnell wiederkommen. Die Talfahrt bei den Verbrennern hat sich in China aufgrund der auch dort steigenden Spritpreise beschleunigt und bei den Elektroautos trifft ein gnadenloser Preis- und Qualitätskampf auf eine nachlassende Nachfrage.
BMW-Finanzvorstand Walter Mertl weist allerdings darauf hin, dass BMW zumindest dem Gesamtmarkt folgt – wenn auch nach unten. So sind in den ersten neun Monaten des Jahres die Verkäufe bei den Münchnern und auch insgesamt in China um rund 22 Prozent gesunken. BMW konnte das nur zum Teil durch steigende Verkäufe in Europa und den USA ausgleichen.
BMW will schneller schlanker werden
Auf die Autokrise reagieren Hersteller und Zulieferer hierzulande mit Sparprogrammen, auch BMW. Ursprünglich war der Plan, bis Ende nächsten Jahres Tausende Stellen zu streichen. Doch ein aufgelegtes Abfindungsprogramm lief besser als gedacht. Innerhalb von gerade einmal drei Wochen sei es größtenteils abgeschlossen worden, wie BMW nun mitteilte. Wie viele Beschäftigte das Unternehmen konkret verlassen wollen, sagte die Geschäftsführung nicht. Nur so viel: Schätzungsweise rund 90 Prozent der Stellen werden wohl in der Konzernzentrale sowie im Forschungs- und Entwicklungszentrum in München wegfallen.
Das sei auch so gewollt gewesen, so BMW-Chef Milan Nedeljković. Man sehe, dass hier ein enormes Potenzial geboten werde, in kurzer Zeit einen Transformationsprozess des Unternehmens zu vollziehen, den man für das ganze nächste Jahr geplant habe, aber jetzt wahrscheinlich schon bis Mitte des Jahres umsetzen könne.
Autohersteller gibt auch bei neuen Elektroautos Gas
BMW setzt zudem voll auf seine Neue-Klasse Plattform mit der mittlerweile sechsten Generation an Elektroantrieben und Batterien. Neben den iX3- und i3-Modellen, die an zahlreichen Standorten mittlerweile vom Band rollen, plant der Autobauer auch ein Einstiegsmodell im Premiumsegment in Europa 2028. Elektromodelle der früheren, der fünften Generation sollen dafür zum Teil schneller eingestellt werden. Welche Autos konkret zügig auslaufen, wollte der Vorstand nicht sagen. Möglicherweise trifft es aber das elektrische Mittelklasse-Coupé i4.
Gewinnziele erneut nach unten korrigiert
Doch die zusätzlichen Abschreibungen auf ältere Fahrzeug- und Technologiegenerationen sowie das Abfindungsprogramm kosten BMW erst einmal Geld, und zwar im laufenden Quartal. Deshalb hat der Vorstand seine Jahresziele erneut nach unten korrigiert. Mittlerweile ist im Autogeschäft in diesem Jahr sogar ein Minus möglich.
Die zweite Gewinnwarnung in gerade einmal fünf Monaten ist bitter, da die Münchner bisher für ihre eher konservativen Prognosen bekannt waren und Kapitalmärkte eher positiv als negativ überraschten. Zeitgleich hat Nedeljković aber zumindest die Mittel- und Langfristziele bestätigt. Das heißt, 2028 soll die Ebit-Marge, also das Verhältnis vom Ergebnis vor Zinsen und Steuern zum Umsatz, wieder zwischen drei und fünf Prozent liegen.

