Eigentlich hatten sie sich vor den Werkstoren in Herzogenaurach versammelt, um wie in vielen anderen bayerischen Betrieben auch bei den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie Druck zu machen. Doch am Dienstagmorgen kam die überraschende Nachricht: Schaeffler will europaweit rund 3.500 Stellen streichen, rund 2.700 davon in Deutschland. Die Standorte in Dortmund, Berlin, Morbach in Rheinland-Pfalz und dem hessischen Schwalbach sollen geschlossen werden.
Schaeffler-Beschäftigte sind „einfach schockiert“
Auch am Unternehmenssitz in Herzogenaurach sollen rund 640 Stellen wegfallen, das entspricht rund zehn Prozent der Belegschaft dort. Und so rückten die Tarifverhandlungen bei dem Warnstreik der Gewerkschaft IG Metall in den Hintergrund. „Da ist man einfach schockiert“, so ein Schaeffler-Mitarbeiter am Standort Herzogenaurach. Er habe nicht damit gerechnet, sagt der Beschäftigte aus der Produktion. Schließlich hätten die Mitarbeiter schon mehrere Abbauprogramme hinter sich.
Auch Betriebsrat Norbert Lamm kritisiert, dass bei den Beschäftigten schon Millionen eingespart wurden. „Mir fehlt der Plan“, sagt er an die Führung von Schaeffler gerichtet.
„Wir müssen uns unterhalten über Chancen und Produkte“, findet auch Nik Heindl von der IG Metall Erlangen. Stattdessen jage ein Abbauprogramm das nächste. Viele im Unternehmen seien eingeschüchtert, so die Einschätzung des Gewerkschafters. Mitarbeiter hätten teils aus den Medien vom Stellenabbau erfahren: „Das finden wir respektlos“.
Stellenabbau soll sozialverträglich sein
Laut Schaeffler sollten die Beschäftigten in Mitarbeiterversammlungen über die Details der Pläne informiert werden. Der Stellenabbau soll dem Unternehmen zufolge sozialverträglich bis 2028 umgesetzt werden. Wie der Vorstandsvorsitzende von Schaeffler, Claus Rosenfeld, im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk erklärte, soll das etwa durch Altersteilzeit oder Abfindungsangebote geschehen.
Vorstand verzichtet auf zehn Prozent des Gehalts
Die verbleibenden Beschäftigten sollen, so die Pläne von Schaeffler, einen freiwilligen Gehaltsverzicht leisten. Laut Claus Rosenfeld will der Vorstand in den kommenden zwei Jahren auf zehn Prozent seines Gehaltes verzichten. Alle müssten etwas beitragen, so gut sie können. Außerdem sollen die Führungsebenen im Unternehmen reduziert werden.
Auf die Kritik zur fehlenden Zukunftsperspektive sagte Rosenfeld: „Schaeffler ist mehr als Auto und wir können mehr als Auto.“ Das Geschäft in der Verteidigung oder im Bereich humanoide Roboter seien Optionen. Aber das, was rückläufig sei in der Automobilindustrie, könne nicht automatisch ersetzt werden durch neues Geschäft.

