Magnetstößel für 88 Klaviertasten
Damit das Klavier selbst spielen kann, müssen alle 88 Tasten automatisch gedrückt werden können. Dafür entwerfen die Schüler kleine Aufsätze, sogenannte Magnetstößel, und drucken sie selbst im 3D-Drucker. Danach werden sie auf die Klaviertasten gesetzt. „Spaß hat mir das Einbrennen der Muttern gemacht“, erzählt der 12-jährige Bruder David Graf.
Das erste Mal, als das Klavier plötzlich wie von Geisterhand losspielt, war beeindruckend. Jonas erinnert sich: „Es schaut halt auch cool aus, wenn es von alleine spielt.“
Von Linkin Park bis Hans Zimmer – und darüber hinaus
Wenn das selbstspielende Klavier einmal läuft, kann es ganz unterschiedliche Musikstücke wiedergeben: Songs von Linkin Park, Filmmusik von Hans Zimmer oder klassische Werke. Die Schüler übertragen die Noten digital und lassen das Klavier die Stücke automatisch spielen.
Doch das Klavier soll nicht nur nachspielen, sondern selbst neue Musik erfinden, mit ihrer selbstgebauten „Piano AI“ – also Künstlicher Intelligenz: „Wie die meisten KI-Bots, wie ChatGPT oder Claude, funktioniert unsere KI auch genauso, dass sie sich quasi einzelne Stücke aus den großen Daten anschaut und einfach versucht vorherzusagen, welche Fortsetzung am wahrscheinlichsten ist“, erklärt der 15-jährige Linus Liu. Die KI analysiert also viele Musikstücke und setzt Melodien statistisch fort.
Erst klingt es schief – dann immer besser
Die ersten KI-Kompositionen klingen eher krumm und schief – einen menschlichen Komponisten kann ihre Software noch nicht ersetzen. Aber je mehr Daten ihre „Piano AI“ bekommt, desto besser wird sie. „Ich denke, dass der Aufsatz schon fast klingt, wie jemand, der echt am Klavier spielt. Ob man das jetzt toll findet oder nicht“, erklärt Linus.
Bundesfinale in Tübingen – und viel gelernt
Mit ihrem Projekt haben es Jonas, David und Linus ins Bundesfinale des Wettbewerbs „Künstliche Intelligenz“ nach Tübingen geschafft, das am 13. November stattfindet. „Fühlt sich gut an. Ich glaub, das hat noch kein anderer gemacht“, sagen Linus und David. Und für Jonas ist klar: „Danach kommt das nächste Projekt. Es geht immer weiter.“
KI-Konzert im Rathaus Ried
Bevor das selbstspielende Klavier nach Tübingen reist, können Interessierte es im Wittelsbacher Land live erleben: Am 6. November um 19 Uhr findet im Rathaus Ried ein Klavierabend statt. Dort stellen Jonas, David und Linus ihr Projekt vor – und lassen ihr KI-Klavier ein Konzert spielen. Weitere Vorführungen sind bereits geplant. Die Gemeinde Ried wird damit zur Bühne für ein Zusammenspiel aus traditionellem Instrument und moderner Künstlicher Intelligenz.

