Sie hat sich in den Schweizer Bergen verschanzt. Dort, in einem Chalet lebt die alternde Starschriftstellerin vor sich hin, gespielt – nein verkörpert – von Helen Mirren. Von den Filmkostümbildnern mit Schulterpolstern ausstaffiert kauert sie in ihrem Lehnstuhl. Und manchmal könnte man da an eine halslose, lauernde Echse denken, die ihre Opfer fixiert.
Diese Highsmith ist eine knurrige alte Lady, mit schulterlangem, dunkelgrauem Haar, Strickweste und Halstuch, stets die Zigarette im herabgezogenen Mundwinkel und das Whisky Glas in der Hand.
Ein Kammerspiel im verschneiten Chalet
Die Grundlage für Anton Corbjins Film ist das Zwei-Personen-Stück „Switzerland“ der australischen Dramatikerin Joanna Murray-Smith, die auch das Drehbuch zur Verfilmung beisteuerte. Ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel zwischen einem jungen, linkischen Literaturagenten und dem abgeklärten Star. Er wird vom Verlag zu ihr geschickt, um sie zu überreden, nach fünf Romanen einen weiteren über den obsessiv mordenden Protagonisten Tom Ripley zu schreiben.
Hellen Mirren brilliert als kettenrauchende Misanthropin, der es sadistische Freude bereitet, den sichtlich verängstigten jungen Mann zu verunsichern – sei es das sehr sichtbar in der Küche abgestellte Arsen, neben den Spiegeleiern, die sie für ihn zubereitet. Oder ihre Vorliebe für die an einer Wand ausgestellten Pistolen und Messer.
Realität und Fiktion verschwimmen
Alden Ehrenreich spielt diesen Edward Ridgeway, der im weiteren Verlauf des Films zunehmend selbst zu einer Ripley-Figur mutiert. Denn der talentierte Mr. Anton Corbjin erlaubt sich den Kunstgriff, einen weiteren Film aus der bisherigen Handlung heraus zu entwickeln – und ihn geschickt in das Dialoggefecht der beiden im Chalet über das perfekte Verbrechen einzubinden: Ripley schleicht sich in einer einmontierten Parallelgeschichte durch die Liebelei mit einer jungen reichen Amerikanerin in ihre Upper Class-Familie ein. Ein Komplott mit tödlichen Folgen.
Stilistisch ist das Setting solide und elegant. Kühle Farben geben den Ton an in diesem kunstvollen Psychothriller, der an die Werke von Claude Chabrol über die Abgründe der Bourgeoisie erinnert. Dabei changiert er stets zwischen Referenzen an die berühmten Ripley-Verfilmungen und an das klassische Murder Mystery-Genre. Ob das alles nur im Kopf von Patrica Highsmith abläuft oder hier die Realität die Fiktion unterläuft bleibt bis zum Ende offen. Gut so!

