Die IG Metall Bayern ruft zu umfangreichen Warnstreiks in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie auf. In einer Pressemitteilung kündigt der Bezirksverband Arbeitsniederlegungen in insgesamt 105 Betrieben an. Zehntausende Beschäftigte sollen demnach ihre Arbeit vorzeitig beenden, vielerorts könnten ganze Schichten ausfallen.
Schwerpunkt ist der Raum Nürnberg
Im Raum Nürnberg sollen Beschäftigte in über 30 Betrieben gegen 11 Uhr Schluss machen. Betroffen sind unter anderem mehrere Bosch- und Siemens-Standorte sowie MAN Truck & Bus, Diehl-Betriebe und weitere Unternehmen in Nürnberg und Umland. In Erlangen ist eine Kundgebung an der Siemenspromenade geplant.
Viele Aktionen sind als Frühschluss organisiert, bei denen die Beschäftigten früher nach Hause gehen. Daneben setzt die Gewerkschaft auf öffentlichkeitswirksame Kundgebungen und Demonstrationen: In Unterfranken treten etwa die Belegschaften von Bosch Rexroth in Lohr und Magna Mirrors in Dorfprozelten vor die Werkstore. In Alzenau, Bürgstadt und weiteren Orten sind ebenfalls Kundgebungen vorgesehen.
Warnstreik auch bei BMW, Siemens und MTU
In Niederbayern kommen die Beschäftigten mehrerer Betriebe in Teisnach zu einer gemeinsamen Kundgebung zusammen. Die Spätschicht bei BMW in Dingolfing soll deutlich früher enden, weitere Unternehmen in Marklkofen, Straubing, Ruhstorf, Hauzenberg, Obernzell und anderen Orten planen Frühschlussaktionen.
Aktionen sind zudem in Oberbayern – etwa bei KNDS, Siemens Mobility und MTU in München sowie bei Linamar in Penzberg – angemeldet. In der Oberpfalz und in Schwaben gibt es Kundgebungen unter anderem in Kemnath, Amberg, Elchingen, Burtenbach und Schwabmünchen. In Oberfranken sind zahlreiche Betriebe mit verkürzten Arbeitszeiten beteiligt.
IG-Metall: „Arbeitgeber sollen Signale nicht überhören“
Bayerns IG-Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Horst Ott betont: „Bayernweit setzen sich die Beschäftigten bei unseren Warnstreiks mit Nachdruck für mehr Geld und sichere Arbeitsplätze ein. Die Arbeitgeber sollten diese Signale nicht überhören. Am Freitag werden wir unsere Warnstreiks hinsichtlich Menge und Dauer nochmal erheblich ausweiten.“
Warum gestreikt wird
Hintergrund sind die festgefahrenen Tarifverhandlungen. Die Friedenspflicht in der Metall- und Elektroindustrie war in der Nacht auf Sonntag ausgelaufen. Die Arbeitgeber boten in der zweiten Verhandlungsrunde eine Einmalzahlung im Juli 2027 sowie eine Lohnerhöhung um 1,3 Prozent ab Juli 2028 an. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll bis Ende 2028 reichen.
Die IG Metall fordert unter anderem fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zur gestrigen dritten Verhandlungsrunde schlug die Gewerkschaft vor, dass im Ausnahmefall vom Tarifvertrag abgewichen werden kann, wenn die Unternehmen im Gegenzug „Investitionen in Zukunftsprodukte mit verbindlichen Zusagen für Standorte, Arbeitsplätze und Ausbildung verbinden.“

