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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Von Clemens Meyer bis Iris Wolff: Elf Bücher aus dem Jahr 2024
Kultur

Von Clemens Meyer bis Iris Wolff: Elf Bücher aus dem Jahr 2024

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 3. Dezember 2024 15:48
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Was geht uns Makatea an, eine kleine Insel im Pazifischen Ozean? Sehr viel, so der US-amerikanische Schriftsteller Richard Powers. In seinem Roman „Das große Spiel“ (Penguin, Übersetzung Eva Bonné) stehen die 80 Bewohner von Makatea vor einer großen Entscheidung: Soll ihre Insel zur Basis werden für den Bau einer gigantischen Stadt auf dem Wasser, für ein Sea Steading-Projekt? Und wenn ja, was bedeutet das für das Meer, dieses Reich voller Leben? Einmal mehr verwebt Powers Literatur und wissenschaftliche Fragen – eine intensive, vielschichtige Reflexion über die Zeit.

Inhaltsübersicht
Jugoslawien, Karl May, KinoLove Scamming und ein RomangemäldeDemokratie in Deutschland und der Diktator Walter UlbrichtDer 7. Oktober in Israel und der Krieg in der UkraineNobelpreisträgerin Han Kang – und eine Hommage von Walter Moers

Jugoslawien, Karl May, Kino

Gleiches ließe sich sagen über den umfangreichsten deutschsprachigen Roman aus dem Jahr 2024: „Die Projektoren“ von Clemens Meyer (S. Fischer). Auf über 1.000 Seiten erzählt der Leipziger Schriftsteller von der Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert, insbesondere im Zweiten Weltkrieg und während der Bürgerkriege zu Beginn der 90er Jahre. Als Klammer zwischen diesen beiden Gewaltepochen dienen die Verfilmungen der Karl-May-Romane im Velebit-Gebirge.

Ein literarisches Wagnis. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat „Die Projektoren“ als einen der 100 wichtigsten Romane aus 100 Jahren gewürdigt. Die Geschichte von Krieg, Kino und Karl May wurde mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet und war für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Love Scamming und ein Romangemälde

Letzteren gab es – bekanntlich zum Verdruss von Clemens Meyer – für Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ (Klett-Cotta), die Geschichte einer Künstlerin, die ihren kranken Mann pflegt und in nächtlichen freien Stunden die Korrespondenz mit einem Love Scammer aus Afrika fröhlich auf den Kopf stellt. Juno antwortet auf die digitalen Avancen und verwickelt einen Briefschreiber in einen regen Austausch.

Im Buchpreis-Finale-Getöse ein wenig unter ging der ebenfalls nominierte Roman „Lichtungen“ von Iris Wolff (Klett-Cotta). Die Geschichte eines Paares aus Rumänien, in der Zeit rückwärts erzählt, von der Gegenwart in die Vergangenheit, in die Diktatur. Iris Wolff erzählt gerne, sie wollte die Geschichte von Lev und Kato wie ein großes Gemälde gestalten. Also Augen auf, auch das eines der wichtigen Bücher des Jahres.

Demokratie in Deutschland und der Diktator Walter Ulbricht

Überhaupt spielt die Geschichte eine nach wie vor große Rolle auf dem Buchmarkt. Den Deutschen Sachbuch-Preis gewann die Historikerin Christina Morina für ihr Buch „Tausend Aufbrüche“, eine Studie über Demokratie und basisdemokratische Prozesse in Deutschland seit den 1980er Jahren (Siedler).

Eine vergleichbare Würdigung hätte Ilko-Sascha Kowalczuk, auch er Zeithistoriker, unbedingt verdient. In zwei großen Bänden erzählt er die Lebensgeschichte des deutschen Kommunisten und Diktators Walter Ulbricht (C.H. Beck). Das Besondere: Die Biografie entstand im Alleingang, Ilko-Sascha Kowalczuk ist an keiner Universität (mit entsprechender Ausstattung) beschäftigt. Sein Buch ist ein Standardwerk.

Der 7. Oktober in Israel und der Krieg in der Ukraine

Auch der Blick auf die Konflikte der Gegenwart ist ein wichtiges Thema für die Verlage. Zum Jahrestag des Massakers der Hamas in Israel sind etliche Bücher erschienen, eines der wichtigsten stammt von Lee Yaron, als Journalistin für die Zeitung „Haaretz“ tätig. In „Israel. 7. Oktober“ (S. Fischer, Übersetzung: Sigrid Schmitt, Cornelia Stoll, Maria Zettner) erzählt Lee Yaron die Geschichte des Massakers aus der Perspektive der Überlebenden und der Angehörigen. Ein Buch voller Schmerz.

Serhij Zhadan, einer der wichtigsten ukrainischen Schriftsteller der Gegenwart, erinnert mit neuen Gedichten an die Situation in seinem Land. Seine „Chronik des eigenen Atems“ (Suhrkamp, Übersetzung: Claudia Dathe) enthält Texte aus den Jahren 2021 bis 2023 und verteidigt die Menschlichkeit in einer für die Ukraine unmenschlichen Zeit. Sofia Andruchowytsch erzählt derweil die Geschichte ihres Landes in einem großen, dreibändigen Roman, dem „Amadoka-Projekt“. Mit dem dritten Teil, „Die Geschichte von Sofia“ (Residenz, Übersetzung: Alexander Kratochwil und Maria Weissenböck), liegt der Erzähl-Kosmos nun vollständig auf Deutsch vor.

Nobelpreisträgerin Han Kang – und eine Hommage von Walter Moers

Die wichtigste literarische Auszeichnung der Welt, der Literaturnobelpreis, führt uns derweil nach Südkorea. In ihrem Werk spiegelt Han Kang immer wieder die bewegte Geschichte ihres Landes. Ihr jüngster Roman „Unmöglicher Abschied“, einmal mehr auch Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, erscheint Mitte Dezember auf Deutsch (Aufbau, Übersetzung: Ki-Hyang Lee).

Last but not least noch der Hinweis auf eine Liebeserklärung: Walter Moers, Erfinder von Käpt’n Blaubär und ebenso der Geschichten aus Zamonien, verehrt den US-amerikanischen Zeichner Edward Gorey, Autor durchaus dunkler Bilderbücher. In der „Anderen Bibliothek“ hat Walter Moers jetzt einen umfangreichen Band über den „Großmeister des Kuriosen“ veröffentlicht. Die Gelegenheit, das Werk eines eigensinnigen Künstlers zu entdecken.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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