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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Schneegestöber in Québec: So kühl ist die GOP-Show „Seasons“
Kultur

Schneegestöber in Québec: So kühl ist die GOP-Show „Seasons“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 17. April 2026 09:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Nach einem Schneegestöber wird sich in diesen Wochen wohl kaum einer sehnen, jetzt, wo gerade die Bäume blühen und sich alles über den Frühling freut. Und auch den Laubbläser wird derzeit kaum jemand vermissen. Zum Finale der neuen Show im Münchner GOP-Varieté-Theater führt an den genannten Herbst-Winter-Impressionen allerdings kein Weg vorbei, schließlich werden in „Seasons“ alle vier Jahreszeiten abgeschritten.

Inhaltsübersicht
Sind Kanadier im Winter besser gelaunt?Québec ist sehr gemütlich„Erwachsene haben verlernt, wie man Spaß hat“

Am Ende rieselt tatsächlich der Schnee, der für die Akrobatentruppe „Flip Fabrique“ aus dem kanadischen Québec ein sehr treuer Alltags-Begleiter sein dürfte, schließlich liegt die offizielle Jahresdurchschnittstemperatur in der Stadt am Sankt-Lorenz-Strom bei bescheidenen vier Grad.

Sind Kanadier im Winter besser gelaunt?

Da sind die Daunenjacken durchaus angebracht, in denen die Künstler vor dem Trampolin-Springen auftreten. Und auch das gelbe und rote Herbstlaub, das vorher durch die Luft wirbelt, hat seine Berechtigung, schließlich ist der farbenprächtige „Indian Summer“ in Kanada und Neuengland eine Touristenattraktion. Von den Reizen von Frühling und Sommer versteht die „Flip Fabrique“ augenscheinlich weniger, jedenfalls kommt „Seasons“ vor der Pause überhaupt nicht in Fahrt. Da wird viel gestikuliert und fröhlich mit roten Gummibällen (Tomaten?) herum gehampelt, aber es fehlt an staunenswerten akrobatischen Höhepunkten.

Nach der Pause beeindrucken die Künstler dafür nicht nur mit der erwähnten winterlichen Trampolin-Nummer, sondern auch mit einer rasanten Hula Hoop-Einlage von Valérie Bedard, einer grotesken Ski-„Abfahrt“ und kräftezehrender Luftakrobatik. Wer beim Schneeräumen seinen Rücken spürt, während er die Schaufel schwingt, kann sich für die nächste Saison bei einer ausgelassenen Schneeball-Jonglage motivieren. Womöglich sind Kanadier in der kalten Jahreszeit ja wirklich besser gelaunt als in den wärmeren Monaten.

Québec ist sehr gemütlich

Wer Varieté-Stars mit atemberaubenden Acts erwartet, wird bei „Seasons“ enttäuscht. Dieser Abend wird vom gesamten Ensemble „gestemmt“, das aus „Alleskönnern“ besteht. Jeder gibt sein Bestes, aber die Spezialisten fehlen. Die Nummern sind bei weitem nicht so kraftorientiert und perfekt geprobt wie bei osteuropäischen Künstlern, die häufig die GOP-Programme bestreiten.

Auch die Ausstattung und die Übergänge wirken unbeholfen und laienhaft wie im Straßentheater. Da ist Regisseur und Lichtdesigner Maxime Perron zum Thema Jahreszeiten nicht sonderlich viel eingefallen. Vom französischen Flair Québecs keine Spur, allerdings ist die Stadt sehr gemütlich, was „Seasons“ anzumerken ist: Das Tempo ist über gut zwei Stunden entsprechend gemächlich, ja gedehnt.

„Erwachsene haben verlernt, wie man Spaß hat“

„Flip Fabrique“ wurde 2011 gegründet und bespielt ihre Heimatstadt jeden Sommer mit einer großen Show. Von poetischer Zirkus-Unterhaltung verstehen die Kanadier was, schließlich kommt der populäre „Cirque du Soleil“ aus dem benachbarten Montreal, und Toronto gilt ohnehin als kreative Theater-Hauptstadt. Bruno Gagnon, Gründer der „Flip Fabrique“, ist nach eigenen Worten übrigens nicht zuletzt von den dauernden Ermahnungen seiner Mutter angespornt worden, als leidenschaftlicher Motoriker in die Show-Branche zu gehen: „Allzu oft haben Erwachsene verlernt, wie man spielt und Spaß hat.“

Ende April bekommt das GOP an der Münchner Maximilianstraße übrigens eine neue Bestuhlung, die Polsterfarbe wird von blau zu rot wechseln, der klassischen Theaterfarbe. Und ab 17. Juli hat eine Show Premiere, die den Münchnern deutlich näher sein dürfte als der unterkühlte kanadische Osten: „Disco“, mit „Schlaghosen, Glitter, Frisur und Fashion“, wie es in der Ankündigung heißt. Dann darf getanzt werden, außer, dazu gibt es nach der kommenden Fußball-WM keinen Anlass. Aber das ist ja nicht zu erwarten…

Bis 12. Juli im GOP Varieté-Theater München.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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