Der auch im Westen veröffentlichende kremlkritische Politologe Wladislaw Inosemtsew schrieb [externer Link]: „Die erste Reaktion auf solche Nachrichten ist Ironie: Das kann nicht passieren, weil es niemals passieren darf. Doch all das ist die Realität. In den vergangenen Jahren wurde die russische Gesetzgebung ausschließlich dazu genutzt, die Rechte, wenn nicht sogar die Freiräume der Bürger einzuschränken.“
„Es gibt keine Regeln. Das ist die Regel“
Der Kreml erreiche damit allerdings „weniger Gehorsam als Demotivation“, argumentiert der Experte: „Wenn ihre konsequente Anwendung die Gesellschaft lähmt, wird sich niemand an solche Gesetze halten.“ Wenn es so weitergehe, werde der überwiegende Teil jedweder menschlicher Tätigkeit auf dem Papier illegal: „Das Ergebnis ist vermutlich ein Polizeistaat, in dem nur der Militärdienst, körperliche Arbeit und Geburten ohne Sondergenehmigung erlaubt sind, während alles andere streng reglementiert wird.“
Politikwissenschaftler Andrei Kalitin meinte [externer Link]: „Chaos, Angst, Regellosigkeit, Risiken, Geldstrafen und Strafverfahren sind genau die Instrumente der Herrschaft, die das System in seiner aktuellen ‚Rechtsdurchsetzungspraxis‘ einsetzt. Wenn alle Angst haben, wenn Verleger nicht wissen, was veröffentlicht werden darf und was nicht, bricht eine Ära der massiven Selbstzensur an, die um ein Vielfaches beängstigender ist als die Zensur selbst. Es gibt keine Regeln. Das ist die Regel.“
„Lasst die Freudenfeuer lodern“
Russische Leser reagierten mit Sarkasmus [externer Link] auf die neuerliche Zensur-Debatte: „Wir könnten nachts riesige Freudenfeuer entzünden und die Literatur ausländischer Agenten, ja die gesamte ausländische Literatur, verbrennen. Lasst die Feuer bis zum Himmel lodern, und die Köpfe der Bürger werden von gefährlichen Gedanken gereinigt. Es scheint, als hätte es so etwas schon einmal in der Geschichte gegeben.“
Andere spotteten, die Russen warteten vermutlich ungeduldig auf ein neues Werk des früheren KP-Chefs Leonid Breschnew (1906 – 1982). Und einer der Kommentatoren fragte sich und seine Leser [externer Link]: „Werden sich die Behörden um dieses Problem kümmern? Interessieren sie sich überhaupt noch für Bücher?“

