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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Heilmittel gegen die Tristesse“: Die Welt der Flipperautomaten
Kultur

„Heilmittel gegen die Tristesse“: Die Welt der Flipperautomaten

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 22. Juni 2024 08:48
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Der allmähliche Niedergang und seine Ursachen

Das Flippern sei „immer ein weißes Vergnügen“ gewesen, schreibt der Kulturwissenschaftler Bernard. Wahrscheinlich sei diese Beschränkung „auch einer der Gründe, die zum Verschwinden der Apparate in den 80er und 90er Jahren beigetragen haben“.

Inhaltsübersicht
Der allmähliche Niedergang und seine UrsachenNoch heute werden Turniere gespieltRenaissance des Flippers analog zu dem der Schallplatte?

Im Gespräch erläutert er, was er damit meint. Wenn man heute in ein Flippermuseum gehe, würde man sehen, dass es an die vierzig Flipper gebe, die nach weißen Rockbands benannt worden sind: AC/DC, Guns Nʼ Roses, Kiss, Rush, Queen, Rolling Stons, Beatles – alles Motive von Flippern: „Es gibt keinen einzigen Hiphop-Flipper, keinen Rap-Flipper. Von den insgesamt 5000 Modellen haben ganze drei Modelle schwarze Protagonisten auf der Motivscheibe. Das ist meiner Ansicht nach einer der Gründe, warum die Maschine popkulturell verschwunden ist, denn gerade in den 90er-Jahren waren Rap und Hip-Hop die bestimmende musikalische Kultur, aber die Flipper-Industrie hat das ignoriert und sich weiter an diesem weißen, männlichen Rockstar orientiert.“ Ein noch mächtigerer Endgegner waren freilich die Videospiele, die dem Flipper den Garaus machten.

Noch heute werden Turniere gespielt

Man lernt einiges aus diesem Buch – auch, warum Schriftsteller wie Jörg Fauser, der „Flipperdielen“ und sogar eine „Flipper-Moschee“ in seinem Werk auftauchen ließ, oder dass Filmemacher wie François Truffaut begeistert waren vom Flipper.

Heutzutage sind Flipper die Leidenschaft einiger Nerds, die sich zu Wettkämpfen in abgelegenen Gewerbegebieten treffen, eines dieser Treffen beschreibt Bernard. Das Setting erinnert ihn ein wenig an Haruki Murakamis Roman „Pinball 1973“. Darin geht es um die Flipper-Kollektion eines Sammlers auf einer Geflügelfarm am Rande Tokios, die „wie ein riesiges Kühlhaus“ wirkt. Das sind so die Orte, an denen sich Flipper-Spieler heute versammeln.

In gewisser Weise passt diese Marginalisierung zur Maschine selbst. Ihr natürliches Habitat war immer schon die Randlage: Was heute die Outskirts der Städte sind, wo sich die Flipper-Spieler treffen, waren früher die Ecken in den Kaschemmen nah bei der Toilette. Der Flipper fristet seit jeher ein Nischendasein. „Durch diese Turniere komme ich tatsächlich an Orte, an die ich sonst vermutlich nie hingekommen wäre“, erzählt Andreas Bernard.

Renaissance des Flippers analog zu dem der Schallplatte?

Da er das Schicksal der Flipper mit dem der Schallplatte vergleicht, liegt die Frage nahe, ob nicht wie bei den Vinyl-Pressungen ein Revival des Flippers bevorsteht. In den USA sei das „Pinball Revival“ gerade eine große Sache, so Bernard: „Ich war gerade ein paar Monate in den Vereinigten Staaten. Interessanterweise gibt es da neue amusement arcades, und interessanterweise wird die Wiederentdeckung des Flipper-Spiels sehr stark von Frauen betrieben. Pinball ist ein sehr stark weibliches Hobby geworden, was die Sache auf jeden Fall lebendiger macht.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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