Erst ein Benefizkonzert in der Fußgängerzone, nun reagiert Kaffkiez aus Rosenheim auch mit Worten auf die Kritik der AfD-Stadtratsfraktion an der Band. „Wir haben lange überlegt, ob wir auf diese Provokation eingehen sollen“, so Sänger Johannes Eisner gegenüber Bayern2 Zündfunk. Doch die Vorwürfe seien so haltlos, dass sie diese nicht stehen lassen könnten. „Allein dieser Widerspruch, sich gegen Rechtsextremismus zu äußern, stehe nicht für Zusammenhalt – bitte was? Haben wir alle in der Schule nicht aufgepasst?“
Die Vorwürfe der AfD-Stadtratsfraktion Rosenheim
In einer Pressemitteilung hatte sich die AfD-Stadtratsfraktion von Rosenheim vergangene Woche dagegen ausgesprochen, dass die Band Kaffkiez den Kulturförderpreis der Stadt bekommt. Begründet hatte die Fraktion dies mit einer „zunehmend aggressiven politischen Positionierung der Band“. Diese sei unvereinbar mit dem „eigentlich angedachten verbindenden Charakter eines städtischen Preises“. Die Band nutze ihre „Bühne und Reichweite gezielt für einseitige politische Kampagnen“ und rufe öffentlich dazu auf, „Andersdenkende gesellschaftlich auszugrenzen“. Erst durch diese Pressemitteilung war überhaupt öffentlich geworden, dass Kaffkiez im Oktober 2026 den Kulturförderpreis der Stadt Rosenheim bekommen soll.
Die Reaktion der Band auf die Pressemitteilung
Kaffkiez kann die Vorwürfe der AfD Rosenheim nicht nachvollziehen. Sie würden sich nicht aggressiv politisch positionieren, sondern als Demokraten gegen Rechtsextremismus stark machen. „Wir verstehen Diskriminierung, Ausgrenzung, Hass und Hetze als Gefahr für dieses Land“, so Bandmitglied Johannes Eisner. Gleichzeitig würde die Band ihr Publikum darin bestärken, den Dialog zu suchen: „Führt Diskussionen zu Ende, habt den Mut zuzuhören, vielleicht auch zu verstehen, was Leute dazu bewegt, so eine Partei zu wählen.“ Eine Herangehensweise, die eben nicht aggressiv sei, sondern auf Zusammenhalt und eine gemeinsame Zukunft setze.
AfD: Kaffkiez solle bei der Musik bleiben
Andreas Kohlberger, AfD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Rosenheim, ist dagegen der Meinung, dass Musiker und Musikerinnen auf der Bühne generell nicht über Politik reden sollten: „Die lieben Jungs sollten doch bitte Musik machen, das machen sie sehr gut, und dabei sollten sie bleiben“, sagte Kohlberger gegenüber Bayern2 Zündfunk. Wenn Bands Wahlempfehlungen geben würden, sei dies in seinen Augen abgedroschen und vermessen. „Politiker sollten nicht über Musik auf der Bühne reden und Musiker nicht über Politik.“
Ein Benefizkonzert in der Fußgängerzone
In Reaktion auf die bereits in der AfD-Pressemitteilung geäußerte Kritik spielte Kaffkiez am vergangenen Freitag ein kostenloses Konzert in der Rosenheimer Fußgängerzone. Dort sammelte die Band Spenden für den Stadtjugendring, der sich unter anderem für musikalischen Nachwuchs einsetzt. Die erste Spende kam von der Band selbst: 2.500 Euro, die Summe, mit der auch der Kulturförderpreis dotiert ist. Insgesamt kamen Spenden in Höhe von über 12.000 Euro zusammen.
„Wir sind immer noch überwältigt, wie viele Leute gemeinsam mit uns ein Zeichen gesetzt haben“, so Johannes Gottwald von Kaffkiez. Das Konzert wurde laut Polizei von rund tausend Personen besucht. Bandkollege Johannes Eisner ergänzt: „Das Konzert hat in der besten Art und Weise gezeigt, was Zusammenhalt wirklich ist.“

