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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Deutsche Wirtschaft: Ist die Lage besser als die Stimmung?
Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft: Ist die Lage besser als die Stimmung?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 3. September 2026 10:47
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Derzeit sind gute Nachrichten keine Selbstverständlichkeit. Umso erfreuter klingt Timo Wollmershäuser am Telefon, als er die jüngsten Konjunkturzahlen des ifo Instituts verkündet: „Wir haben unsere Prognose für dieses Jahr recht kräftig nach oben korrigiert“, sagt der Leiter der Konjunkturanalysen und -prognosen beim ifo Institut.

Inhaltsübersicht
Investitionen und Exporte sorgen für AufschwungNegativ-Schlagzeilen zur deutschen Wirtschaft: The New Normal?Geschäftsklimaindex: Sensibles Metronom zur Lage der WirtschaftKonsumenten positiver gestimmt? Forscher zurückhaltendProbleme gelöst? Von wegen!

In Zahlen bedeutet das: Im Juni waren die Wissenschaftler noch von einem Wachstum des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,8 Prozent für das laufende Jahr ausgegangen. Nun sind es nun 1,4 Prozent. Auch für das Jahr 2027 haben sich die Aussichten laut ifo Institut verbessert: Statt der ursprünglich prognostizierten 0,8 Prozent Wachstum sind es jetzt 1,2 Prozent. Diese Erholung habe schon im vergangenen Jahr eingesetzt, berichtet Wollmershäuser, doch man sei sich nicht sicher gewesen, wie robust diese Entwicklung wirklich ist. „Aber das Ergebnis ist jetzt schon eindeutig.“ Damit folgt das ifo Institut dem statistischen Bundesamt, das Ende August ebenfalls seine Konjunkturzahlen nach oben korrigiert hatte (externer Link).

Investitionen und Exporte sorgen für Aufschwung

Zwei Faktoren schieben laut Wollmershäuser die deutsche Wirtschaft aus ihrem bisherigen Konjunkturtal. Erstens: Der Staat hat in der jüngeren Vergangenheit erhebliche Mittel in die Hand genommen für Infrastrukturausgaben, die klimafreundliche Transformation und insbesondere die Rüstungsindustrie. Hinzu kommt, dass überraschend die Exporte zugenommen haben. Primär in die EU, aber auch in die USA.

Negativ-Schlagzeilen zur deutschen Wirtschaft: The New Normal?

Noch bis vor kurzem sah die Diagnose für die deutsche Wirtschaft ganz anders aus: Sowohl die Wirtschaftsweisen als auch führende Wirtschaftsinstitute hatten ihre Konjunkturprognose im Frühjahr nach unten korrigiert. Doch: Bedeuten die jüngsten Positivmeldungen wirklich, dass ein echter Aufschwung in Sicht ist? Eine Einordnung wichtiger Kennzahlen:

Geschäftsklimaindex: Sensibles Metronom zur Lage der Wirtschaft

Ein sensibles Metronom, das häufig schon ausschlägt, bevor handfeste Konjunkturzahlen verfügbar sind, ist der Geschäftsklimaindex des ifo Instituts. Dafür werden rund 9.000 Unternehmen monatlich gefragt, wie sie ihre aktuelle Geschäftslage einschätzen und welche Geschäftserwartungen sie für die Zukunft haben. Im August zeigte der Indikator eindeutig nach oben. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartung der Unternehmer habe sich positiv entwickelt. „Die Unternehmer sagen uns nicht, dass die Auftragslage brillant wäre oder dass sie euphorisch wären“, ordnet ifo-Experte Timo Wollmershöuser ein. Aber sie berichteten von einer verbesserten Auftragslage, „und die war ja noch Ende des letzten Jahres richtig mies“.

Konsumenten positiver gestimmt? Forscher zurückhaltend

Eine weitere Kennzahl, die zumindest auf den ersten Blick Hoffnung weckt: Für den September erwartet das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) einen leichten Aufschwung beim Konsumklima (externer Link). Das liege vor allem daran, dass die Konsumenten davon ausgehen, in Zukunft ein höheres Einkommen zur Verfügung zu haben, erklärt NIM-Konsumforscher Rolf Bückl. Eine eindeutige Erklärung für den optimistischen Blick der Menschen auf ihre Gehälter hat Bückl nicht, nur eine Beobachtung: „Vor allem die jüngeren Leute haben eine höhere Einkommenserwartung.“ Möglich sei etwa, dass mit dem Start des Ausbildungsjahrs junge Menschen davon ausgehen, in Zukunft mehr Geld auf dem Konto zu haben.

Doch Bückl warnt davor, die jüngsten Konsumklima-Zahlen als klare Trendwende hin zu besseren Zeiten zu verstehen: Die Anschaffungsneigung sei immer noch niedrig und die Tendenz der Bürger zum Sparen sei in letzter Zeit nur minimal gesunken. Dabei ist das Konsumklima in Deutschland ausschlaggebend für die wirtschaftliche Entwicklung im Land: Laut Bückl mache der private Konsum durchschnittlich über 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Probleme gelöst? Von wegen!

Klar ist: Die wirtschaftlichen Probleme der Bundesrepublik haben sich noch lange nicht in Luft aufgelöst. Die Inflation ist im August weiter gestiegen, und zwar um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und damit höher als die Zielmarke der EZB von zwei Prozent. Treiber sind insbesondere die globalen Unsicherheiten und Krisen, die sich auf die Energiepreise auswirken. Hinzu kommt, dass die Niedrigwasserstände deutscher Flüsse negative Nachwehen für die Wirtschaft bedeuten könnten. Auch am Arbeitsmarkt kann noch nicht von frischem Wind die Rede sein: Im August waren rund 36.000 mehr Menschen arbeitslos als im Vorjahr.

Man dürfe eben nicht vergessen, dass sich Deutschland aktuell im wirtschaftlichen Umbruch befindet, betont Timo Wollmershäuser vom ifo Institut. „Viele Dinge laufen gerade nicht rund.“ Aber: Es gebe aus Sicht des Forschers keinen Grund, warum sich der verhalten positive Trend nicht fortsetzen sollte.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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