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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Keta & Krawall: Sind Drogen im Pop jetzt normal?
Kultur

Keta & Krawall: Sind Drogen im Pop jetzt normal?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 21. Juli 2026 11:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Spätestens seit Ian Dury 1977 den Dreiklang „Sex and Drugs and Rock and Roll“ in einen Song gegossen hat, sind Drogen Dauergast im Pop. Bis heute. So singt Megastar The Weeknd, sein Gesicht werde taub, wenn er mit ihr zusammen ist: Der Song Can’t feel my face handelt von der Droge Kokain. Er wisse, dass sie sein Tod sein könnte, noch dazu ein früher, so der Musiker in dem milliardenfach gestreamten Lied. Aber er liebe sie nun einmal.

Inhaltsübersicht
Normalisiert der Pop Drogen?Festival-Arzt über Drogen auf der FusionWenn Leute vor der Bühne ohnmächtig werden

Unverschlüsselter besingt Ikkimel in „Keta und Krawall“ die titelgebende Droge. Und kaum ein Song des österreichischen Musikers Bibiza kommt ohne schniefende Nasen oder Alkohol aus. Seine neueste Single ist zwar eine Ode ans „Soda Zitron“, aber bisher ist er für andere Zeilen bekannt, etwa: „Kokain im Club/ Alle warten auf die Hook“.

Normalisiert der Pop Drogen?

Ist das noch Ironisierung oder schon Normalisierung? Parallel dazu ging laut Europäischer Drogenbehörde der Kokainkonsum 2025 in europäischen Städten im Vergleich zum Vorjahr um gut 20 Prozent nach oben. Und Ketaminkonsum sogar um 41 Prozent.

„Wenn du mir gegenüberstehst, würde ich dir auf jeden Fall sagen, nimm keine Drogen, das ist schlecht“, so Bibiza im Interview mit Bayern-2-Zündfunk. Doch in der Kunst würden andere Regeln gelten: „Musik ist das Ehrlichste, was es gibt.“ Er will also nicht so tun, als würden Drogen keine Rolle für ihn spielen. „Drogen können extrem lustig sein“, sagt Bibiza. Ihm sei jedoch ein verantwortungsvoller Umgang ein Anliegen.

Das ist auch der Ansatz auf dem Festival „Fusion“. Das medizinische Team dort bietet den 70.000 Besuchern sogenanntes Drug-Checking an. Die Tests zeigen, was und wie viel in Pillen und Pulvern wirklich enthalten ist. So fiel beispielsweise im vergangenen Jahr auf, dass hochreines Kokain im Umlauf war, das medizinische Team konnte vor Überdosen warnen.

Festival-Arzt über Drogen auf der Fusion

„Jedes größere Festival sollte Drug-Checking anbieten“, sagt der leitende Festival-Arzt Gernot Rücker. „Für Prävention ist das eine der sinnvollsten Maßnahmen überhaupt.“ Der Notfallmediziner ist Oberarzt an der Universitätsklinik Rostock und leitet seit über zwei Jahrzehnten das medizinische Team auf der Fusion. Festivals seien ideale Orte für Aufklärung, sagt er. Am Drug-Checking-Stand kämen fast alle vorbei.

Seit der Bundestag 2023 den Weg frei gemacht hat für entsprechende Modellprojekte, nimmt Drug-Checking auf Musikfestivals und in Clubs zu. Doch normalisieren die Tests nicht Drogenkonsum? „Drug-Checking verändert nicht die Konsumhäufigkeit, sondern nur die Auswahl des Produkts“, entgegnet Rücker. Hin zu einem risikoärmeren Konsum, ohne gefährliche Streckmittel und Überdosierungen.

Doch welche Risiken auch Freizeitkonsum birgt, hat Marlon Hoffstadt aka DJ Daddy Trance erlebt. In den sozialen Medien spricht er offen über die Schattenseiten von Drogen in der Partykultur. Vor über acht Jahren habe er aufgehört, Drogen zu nehmen. Vor anderthalb Jahren, Alkohol zu trinken. „Ich habe mich noch nie besser gefühlt!“, schreibt er auf Instagram. Sein Konsum sei eng mit psychischen Problemen verknüpft gewesen.

Wenn Leute vor der Bühne ohnmächtig werden

Diese kritische Haltung gegenüber Drogen vertritt Hoffstadt auch, wenn er auf der Bühne steht. Bei einem Festival in Australien 2025 unterbrach er sein DJ-Set. Er rief die Leute dazu auf, mehr Wasser zu trinken und vor allem aufeinander aufzupassen. Später erklärte er in einer Instagram-Story: „Ich weiß, dass es Spaß macht, richtig abzugehen, Drogen zu nehmen und so weiter – das habe ich selbst schon erlebt. Aber mir macht es keinen Spaß, wenn Leute während meiner Sets ohnmächtig werden und vom Sicherheitsdienst hinausgetragen werden.“

Vielleicht braucht es neben mehr Drug-Checking und Suchtberatung auch mehr Vorbilder wie ihn im Pop: Musiker und Musikerinnen, die nicht nur wie The Weeknd von Drogen als einer Liebesgeschichte erzählen, sondern, um im Bild zu bleiben, auch, wie ein Ende dieser toxischen Beziehung gelingt.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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