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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Studentin Lisa will Priesterin werden: Warum darf sie nicht?
Kultur

Studentin Lisa will Priesterin werden: Warum darf sie nicht?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 29. November 2025 15:52
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Lisa, Lara und Nora* sind bald mit ihrem Master fertig. Sie studieren katholische Theologie an der Universität Freiburg. Ihr Wunsch für danach: Priesterinnen werden. Für einige ihrer männlicher Kommilitonen beginnt nach dem Studium die Ausbildung zum Priester. Für sie nicht.

Inhaltsübersicht
Wenn Gott ruft, aber deine Kirche dich nicht hören will„Ich spüre eine Sehnsucht in mir, Priesterin zu werden“Austreten? Lisa sagt: „Es ist auch meine Kirche“

Deshalb haben sich die drei mit anderen Studentinnen zur Gruppe „Mein Gott* diskriminiert nicht meine Kirche schon“ zusammengeschlossen, neun Bewerbungen gesammelt und fristgerecht im Mai im Priesterseminar in Freiburg abgegeben. Auch die Unterlagen von Lisa Baumeister aus Fürstenfeldbruck waren in dem Umschlag.

Wenn Gott ruft, aber deine Kirche dich nicht hören will

Ihre Bewerbung landete beim Leiter des Freiburger Priesterseminars, Weihbischof Christian Würtz. In seiner Diözese herrscht wie in ganz Deutschland Priestermangel. 2025 wurden in Bayern nur sechs neue Priester geweiht. Und Lisa wäre qualifiziert, sie hat den gleichen Abschluss wie die männlichen Bewerber. Aber eben nicht das gleiche Geschlecht. Christian Würtz lehnte ihre Bewerbung ab. „Wenn sie sich mit dem Namen Leon statt Lisa beworben hätte, dann hätte ich gleich zum Hörer gegriffen und gesagt: Ihre Bewerbung hört sich interessant an, kommen Sie mal vorbei“, sagt der Priesterseminarleiter.

Benachteiligungen im Arbeitsleben wegen des Geschlechts verbietet das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Im Grundgesetz ist jedoch ein Selbstbestimmungsrecht der Kirchen verankert. Das erlaubt den Kirchen, die Arbeitsverhältnisse selbst zu regeln. Das katholische Kirchenrecht ist an dieser Stelle eindeutig: Nur Männer dürfen Priester werden. Denn Jesus war ein Mann. Und weil Priester an der Stelle Jesu handeln, sollen auch nur Männer Jesus repräsentieren, so ein Argument der katholischen Kirche.

„Ich spüre eine Sehnsucht in mir, Priesterin zu werden“

Sich nur diese Eigenschaft herauszupicken sei willkürlich, finden die Studentinnen. Außerdem: Warum spüren sie dann eine Berufung? Nora spricht von einem Gefühl der Sehnsucht nach dem Priesteramt. „Aber mir wird immer wieder von der Kirche gesagt, dass meine Fähigkeiten nicht gewünscht sind. Weil ich eine Frau bin und nicht, weil meine Kompetenzen nicht da wären“, sagt Nora.

Seit der abgelehnten Bewerbung haben sich die Studentinnen mehrmals mit Christian Würtz getroffen. In einem Gespräch mit den drei jungen Frauen sagt er: „Was steckt da dahinter, dass sich die Studentinnen berufen fühlen und dass Papst Johannes Paul II. damals gesagt hat, es geht definitiv nicht? Das sehe ich als etwas, wo wir noch keine fertige Antwort haben.“

Austreten? Lisa sagt: „Es ist auch meine Kirche“

Lisa macht das wütend. Aber gerade deshalb will sie nicht austreten. „Die katholische Kirche ist auch meine Kirche“, sagt sie. „Ich finde es nicht richtig einfach zu sagen: Es läuft schief und darum muss ich gehen. Ich möchte daran was ändern, solange ich noch Energie habe.“ Die Öffnung des Priesteramtes für alle sei nicht die einzige Baustelle.

Um doch noch ihrem Ruf folgen zu können und Pfarrerin zu werden, raten viele den Studentinnen dazu, etwa evangelisch zu werden. Für Nora ist das keine Option: „Weil ich die Kirche liebe. Und weil ich sie nicht einfach nur aufgeben möchte, nur weil mich gerade nicht so annimmt wie ich bin.“ Vorerst will Nora als Pastoralreferentin für die katholische Kirche arbeiten.

Ihre Kommilitonin Lisa hat sich anders entschieden. Für sie kommt es aktuell nicht in Frage, für ihre Kirche zu arbeiten. Solange bis sich die Kirche verändert. Der katholischen Kirche droht, ihre Theologinnen zu verlieren. Noch ist deren Hoffnung auf Veränderung stärker als die Enttäuschung. Die Frage bleibt: Wie lange noch?

*Nora heißt eigentlich anders. Ihr Name ist der Redaktion bekannt.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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