Fans des Regisseurs Quentin Tarantino haben was zum Freuen. Der Kultklassiker „Kill Bill“ kommt wieder ins Kino. „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ soll die Zweiteilung des Films, die Tarantino so nie wollte, überwinden. Im Abstand von sechs Monaten kamen 2003 ja zuerst Volume one und dann Volume two ins Kino, weil man die viereinhalbstündige Laufzeit dem Kinopublikum nicht zumuten wollte.
Was „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ neu macht
In „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ sind ein paar Dinge anders. Der Cliffhanger zwischen den beiden Filmen fällt weg, der Showdown im Haus der blauen Blätter wurde nachbearbeitet und die Anime-Sequenz rund um die Gegenspielerin Oren-Ishii ist länger.
Die Handlung bleibt gleich: Wir sehen nochmal die Story der Braut, gespielt von Uma Thurman. Die Black Mamba, so ihr Alias als Auftragskillerin, hat keine Lust mehr aufs Morden. Ihr Lover/Auftraggeber Bill verkraftet diese Trennung aber nicht. Dass die Black Mamba ein neues Leben als Plattenverkäuferin beginnt, mit einem Durchschnittstypen an ihrer Seite, sagt Bill, führt zu einer „Überreaktion“. Am Hochzeitstag hetzt er der Braut und ihren Gästen folgerichtig ein Killerkommando auf den Leib. Aber die Braut überlebt, erwacht vier Jahre später aus dem Koma – und es heißt: „Kill Bill!“
Femizid: Warum „Kill Bill“ topaktuell ist
Dieser Mix aus Spaghetti-Western, Kung-Fu-Abenteuer, Komödie und Thriller, angereichert mit pointierten Dialogen – es ist der Prototyp des Tarantino-Films, mit dem der Regisseur in den 90ern und 00ern berühmt wurde. Und in Sachen Meta-Ebene ist der Film immer noch aktuell. „Kill Bill“ zeigt und kritisiert einen Femizid. Morde oder Mordversuche wie die an der Braut sind heute noch traurige Realität. Und wie Bill denken viele Männer, die ihrer Partnerin oder Ex-Partnerin Gewalt antun. Einer aktuellen Studie der Uni Tübingen zu Folge geht einem Femizid häufig eine Trennung voraus.
Problematische Produktionsbedingungen
Andererseits steht die feministische Botschaft in Kontrast zu den Bedingungen am Set. „Kill Bill“ wurde von Harvey Weinstein produziert, der wegen Vergewaltigung und Belästigung aktuell eine sechzehnjährige Haftstrafe verbüßt. Auch Hauptdarstellerin Uma Thurman, die bereits für „Pulp Fiction“ mit Weinstein und Tarantino zusammengearbeitet hatte, warf dem damaligen Miramax-Produzenten vor, sie sexuell bedrängt zu haben. Und am Set von „Kill Bill“ ermutigte sie Regisseur Tarantino wohl auch zu einer rasanten Autofahrt in Abwesenheit des Stunt-Koordinators. Die Schauspielerin crashte und erlitt bleibende Verletzungen.
Ist Tarantinos Gewalt noch zeitgemäß?
Und dann die Gewalt. Muss das sein, dass die Köpfe und Gliedmaßen durchs Bild fliegen, dass das Blut fontänenartig aus den Arterien spritzt und die Augen per Kung-Fu-Griff gewaltvoll aus dem Kopf entfernt werden? Das Ästhetisieren von Gewalt wirkt 2026 deplatzierter als vor 20 Jahren. In zahlreichen Kriegen machen immer mehr Menschen traumatische Erfahrungen – Mütter in Gaza, so zeigt es zum Beispiel der Film „From Ground Zero“, markieren die Arme und Beine ihrer Kinder, um sie nach einem Bomben-Angriff notfalls identifizieren zu können. Wer das weiß, hat im Kino wenig Spaß an abgetrennten Gliedmaßen.
Tarantino-Filme sind auch Gesellschaftskritik
Andererseits stellt Tarantino seiner Pop-Gewalt immer auch eine Kritik an real existierender Gewalt gegenüber. Gewalt gegen Schwarze zum Beispiel in „Django Unchained“ oder den Holocaust in „Inglourious Basterds“. Surreal-überspitzte Eskapaden zeigt er nur dann, wenn unterdrückte Figuren sich zur Wehr setzen. Aber ja: Widersprüchlich ist das. Und so kann man die beiden Kill-Bill-Filme jetzt als „Whole Bloody Affair“ im Kino genießen, gerade weil sie so zeitlos aus der Zeit gefallen sind.

