„Wir sind immer noch hier, wir sind immer noch wir“: Zu ihrem 30. Geburtstag singen die Sportfreunde Stiller mal keine „Hymne auf dich“ oder machen anderen „Ein Kompliment“. Ausnahmsweise schreiben sich die Musiker aus Germering bei München selbst eine kleine Hommage. Und in der machen sie sich frei von den vielen Erwartungen und Fragen, wie es einem denn jetzt so gehe nach 30 Jahren Band-Existenz. In typischer Sporti-Manier erklingen auf ihrem neuen Album also Zeilen wie diese: „Wenn wer fragt, wie es uns heute so geht, sagen wir zwischen beschissen und ganz gut / Wenn wer fragt, wann war unsere beste Zeit, sagen wir zwischen Geburt und Tod.“
„Happy Birthday“ heißt das nun schon neunte Album der Sportfreunde Stiller. Und das macht den Eindruck, als hätten sie gerade jetzt eine sehr gute Zeit. Der Song „Wir laden uns auf“ feiert beispielsweise die Freude am Touren, am gemeinsamen Projekt, miteinander unterwegs zu sein. Und sich in diesen oft verrückten Zeiten gegenseitig Kraft zu geben. Schon beim zweiten Song des Albums wähnt man sich Arme schwenkend auf einem Konzert der Sportfreunde Stiller, dem vielleicht besten Genuss, den die Band zu bieten hat – den Livemoment.
Ein Album voller positiver Energie
Und was hat das Album noch zu bieten? Auf jeden Fall wieder viel positive Energie. Und ein bis zwei Hits. Dabei mussten Peter Brugger, Flo Weber und Rüde Linhof in den vergangenen Jahren eine existenzielle Krise überwinden. Die endete mit dem Vorgänger-Album „Jeder nur ein X“. Von dem allerdings kein Song im kollektiven Gedächtnis gelandet ist, wie „54, 74…“ oder „Ein Kompliment“. Nach drei Jahren Trennung klangen die Sportfreunde noch etwas zu verhalten. Ganz anders auf „Happy Birthday“.
Der Song „Hey Buddies“ ist ein großes Dankeschön: an alle Wegbegleiter und Freundinnen der Band, ohne die diese Karriere nicht möglich gewesen wäre. Und natürlich gibt es auch wieder einen Song, in dem andere gefeiert werden. Diesmal heißt er nicht „Applaus Applaus“ oder „Ein Geschenk“, sondern „Happy“.
Geheimwaffe Peter Brugger
„Typisch“ werden sich die einen freuen, während andere keine weitere Version dieses Sportfreunde-Erfolgskonzepts mehr brauchen. Aber kann man jemandem zum 30. Geburtstag vorwerfen, so zu sein, wie man halt ist? Klar ploppt die Frage angesichts nicht unbedingt tiefschürfender Texte auf: Kann man das machen? Ist eine Single wie „Ti amo italiano“ nicht zu abgedroschen? Oder der Songtitel „Keine Blumen ohne Regen“: ein Spruch wie ein Kreuzstich, bei Oma an der Wand hängend.
Aber beim zweiten Hören geht das schon so gut ins Ohr, dass man den Sportfreunden all das sofort verzeiht. Und das liegt an Peter Brugger, diesem oft unterschätzten Sänger. Denn der intoniert das alles so echt, dass die in den Texten mal sehr direkt, mal in Bildern verpackte, aber klar ausgesprochene Emotion, die woanders sofort kitschig wäre, zu einer entwaffnenden Einladung wird, das einfach mal so mitzufühlen und mitzusingen. So dass einem in guten Momenten das Herz aufgeht.
Entwaffnende Emotionalität
Das ist die einende Kraft der Sportfreunde Stiller, wie sie viele über Jahre erlebt haben, manche schon in den ersten Bandjahren im Münchner Atomic Café oder in der Olympiahalle. Alle anderen spätestens beim Sommermärchen 2006 oder ihrem MTV Unplugged.
Die Sportfreunde geben der deutschen Popmusik Leichtigkeit mit entwaffnender Emotionalität und bringen die Menschen zusammen. „Optimismus ist das beste Mittel gegen Faschismus“, hat Bassist Rüde neulich mal gesagt. Deutschland und wir alle können die Sportfreunde Stiller aktuell mal wieder richtig gut gebrauchen. Danke und alles Gute zum Geburtstag.

