So etwas wie „Backrooms“ gab es im Kino noch nie. Denn im neuen Horrorfilm der Produktionsfirma A24 ist der Schurke weder ein Dämon noch ein Vampir. Angst und Schrecken verbreitet hier stattdessen ein Bürogebäude. Ein unendliches Gewirr aus beige-gelb ausgeleuchteten Korridoren, in denen seltsam verformte Möbel mit dem Boden zu verschmelzen scheinen. Als Möbelverkäufer Clark diese Hinterzimmer eines Nachts im Keller seiner Filiale entdeckt, nimmt der Wahnsinn seinen Lauf.
Das rätselhafte Verschwinden eines Möbelhausbesitzers
„Backrooms“ spielt in einer US-Kleinstadt in den Neunzigern und konzentriert sich auf zwei Personen: Psychologin Dr. Mary Kline, gespielt von Renate Reinsve, und ihren Patienten, den Möbelhausbesitzer Clark, gespielt von Chiwetel Ejiofor. Nachdem Clark die „Backrooms“ entdeckt hat, erzählt er Mary in einer Sitzung davon. Weil ihm Mary zunächst nicht glaubt, dringt Clark tiefer in die „Backrooms“ ein, um Beweise zu sammeln. Als er nicht zurückkehrt, muss auch Mary die unheimlichen Hinterzimmer erkunden, um Clark zu retten.
So funktionieren die „Backrooms“
Die „Backrooms“ sind dabei eine Art Parallelwelt, die ein Eigenleben führt. Sie kopiert unsere Realität, aber bildet dabei vor allem Absurditäten ab. So entdecken die Figuren, die in die Hinterzimmer eindringen, ein schauriges Abziehbild unserer Welt. Mary findet zum Beispiel ihr altes Elternhaus wieder. Sie hatte verdrängt, dass es abgerissen – und durch ein Hochglanzbüro ersetzt wurde. In den Hinterzimmer steht es plötzlich wieder. Und die „Backrooms“ kopieren auch Menschen. Zum Beispiel Möbelmann Clark. Eine verlorene Seele, der seine Wohnung verloren hat und im Büro schläft. In der echten Welt spielt Clark noch den freundlichen Verkäufer, doch die “Backrooms“ haben schon eine monströse, blutrünstige Clark-Kopie erschaffen, die ihre Wut an jedem auslässt, der sich dort verirrt.
Großraumbüro-Parodie und Gesellschaftskritik
Die „Backrooms“ sind also nicht nur gruselige Büros. Sie sind auch Räume, die die Schattenseiten der Gesellschaft hervorheben. Der Film atmet Widersprüchlichkeit, vor allem in den Hinterzimmern: Da steht in einem Raum ein halbherzig dekorierter Weihnachtsbaum. Aber hinten in der Ecke liegt auch ein Torso, der irgendwie mit dem Boden verschmolzen ist. Und hinter dem Weihnachtsbaum wartet ein Monster. Widersprüchlich ist auch die Kamera: Immer wieder wechselt „Backrooms“ zwischen Hochglanz-Bildern, die es auch in die Pinakothek der Moderne schaffen könnten, und alptraumhafter VHS-Rekorder-Wackelkamera hin und her. Für die Gen Z ist „Backrooms“ schon jetzt ein Kulthorrorfilm. Was auch am Regisseur liegt: Kane Parsons ist im Jahr 2005 geboren – nachdem der YouTuber im Internet mit kurzen „Backrooms“-Clips berühmt geworden ist (Quelle: tagesschau.de), hat ihn die Produktionsfirma A24 für den Film eingekauft.
Warum Räume Angst und Schrecken verbreiten
Aber: Die Furcht vor Räumlichkeiten passt auch in die aktuelle Zeit. Vergeblich suchen junge Menschen zum Beispiel dritte Orte, wo sie sich aufhalten können, ohne zu konsumieren. Auch Wohnraum ist für viele Menschen immer stärker an Existenzangst gekoppelt. Zum Beispiel, wenn die nächste Nebenkostenabrechnung zum Briefkasten hineinflattert und weil Mieten weiter steigen. Gleichzeitig verbringen viele mehr Zeit in Großraumbüros, um dort mehr Leistung zu erbringen. Vergeblich, kann sich ein Haus an vielen Orten doch nur noch der leisten, der eines erbt. Das sind Widersprüche zum wahnsinnig werden.

