Lange in Deutschland unbekannt
Trotz seiner enormen Erfolge schien Bad Bunny in Deutschland lange noch ein bisschen Nische zu sein. Das ändert sich langsam mit seinem letzten Album „Debí Tirar Más Fotos“ (zu Deutsch: Ich hätte mehr Fotos machen sollen), einer Reise zurück zu seinen Wurzeln und einer Verneigung vor seiner Heimat Puerto Rico. Aufgewachsen ist er in einfachen Verhältnissen nahe der Hauptstadt San Juan, als Sohn eines Lastwagenfahrers und einer Lehrerin.
Seinen Namen gab sich das „böse Häschen“ wegen eines Fotos aus Kindertagen, das ihn mit grimmigem Gesicht zu Ostern im Hasenkostüm zeigt. Zu Beginn seiner Karriere bewegte sich Bad Bunny noch mehr in den Genre-Konventionen des Reggaeton. Auf seinem ersten Song „Diles“ geht es noch um seine sexuellen Vorzüge und in dem Song „200 mph“ (externer Link), rappt er, wie gerne er doch im Urlaub schnell Jetski fährt.
„Dtmf“ – sein politischstes Album
Von diesen Anfängen hat sich Bad Bunny mittlerweile weit entfernt. Schon 2020 bringt er den Song „Yo Perreo Sola“ (externer Link) raus, in dem es um übergriffige Männer und das Recht von Frauen, alleine zu tanzen, geht. Zwei Jahre später kritisiert er im Lied „El Apagón“ (externer Link) die chronisch schlechte Stromversorgung in Puerto Rico.
Sein bereits erwähntes letztes Album „Debí Tirar Más Fotos“ ist sein zugleich liebevollstes und politischstes Werk. In dem Stück „Lo Que Le Pasó a Hawaii“ (externer Link) geht es um zerstörerischen Tourismus. „Da kritisiert er die extreme Gentrifizierung, die er in Puerto Rico festgestellt hat. Er sagt, er möchte nicht, dass seiner Insel das passiert, was in Hawaii passiert ist: Strände werden verkauft, seine Großmutter wird vertrieben“, erklärt Vanessa Ohlraun. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar am Centre for Atlantic and Global Studies der Universität Hannover.
Kritik an den USA
Bad Bunny thematisiert vieles, was die Menschen in Puerto Rico umtreibt: Armut, schlechte Infrastruktur, Korruption. Damit identifizieren sich auch viele andere Latinos und Latinas. „Im aktuellen Kontext der USA ist es einfach total wichtig für die lateinamerikanische Gesellschaft und die Gemeinschaften, die es dort gibt, dass sie sich als zusammengehörig verstehen. Dass sie sich nicht nur als Teil der USA verstehen, sondern dass sie sich miteinander verbunden fühlen“, erklärt Ohlraun.
Mit seiner Musik schafft er es, Menschen zu verbinden und ihnen eine Repräsentation zu geben. Ohlraun ist dabei das Ende seiner Super-Bowl-Show im Gedächtnis geblieben: Bad Bunny sagt „Gott segne Amerika“ und zählt dann alle Staaten Amerikas auf. Seine Botschaft: Amerika ist so viel mehr als nur die USA.

