Es ist ein Geschäft, das exemplarisch steht für viele: Der Herrenausstatter Harald Lehmeier war 27 Jahren lang in Nürnberg direkt neben der Fleischbrücke ansässig und zählte auch Prominente zu seinen Kunden. Doch nun ist Ende des Jahres Schluss.
Lehmeier wird sein Geschäft schließen, er hat ein Alter erreicht, in dem er nicht weitermachen will – und einen Nachfolger gibt es nicht. Denn der stationäre Einzelhandel tut sich zunehmend schwer: Wegen der hohen Energiepreise ist die Verbraucherstimmung am Tiefpunkt. Hinzu kommt die Konkurrenz durch den Online-Handel.
Ein Ende mit Wehmut
Harald Lehmeier liebt seinen Laden, den Umgang mit den Kunden, von denen sehr viele Stammkunden waren. Er sagt: „Das wird zum Schluss hundertprozentig Tränen geben, weil ich habe einen Großteil meines Lebens in diesem Laden verbracht.“ Seine zwei Mitarbeiter müssen sich anderswo umsehen.
In Nürnberg gehe damit ein ganzer Geschäftszweig verloren, so Lehmeier: Als er angefangen hat, gab es zehn Herrenausstatter in der Stadt. Sein Laden war der letzte, nun schließt auch er. Eine so individuelle Beratung bekomme man dann nirgends mehr, dann gebe es nur noch Filial-Geschäfte, die so Lehmeier „herzlose Warenansammlungen“ seien.
Seit Jahren im Krisenmodus
Der Einzelhandel befinde sich seit Jahren im Krisenmodus, sagt auch Andreas Klier, Inhaber des Musikhauses Klier und regionaler Vorsitzender des bayerischen Handelsverbandes (HDE). Die Corona-Zeit habe wie ein Brandbeschleuniger für den Online-Handel gewirkt. Hinzu kommen gestörte Handelsketten, erst durch den Ukraine- und jetzt durch den Irankrieg.
Die insgesamt gestiegenen Kosten könnten nicht mehr auf die Produkte aufgeschlagen und an die Verbraucher weitergegeben werden, so Klier. Nur wer zusätzliche Dienstleistungen wie eine gute Beratung, Reparaturen und Wartungen der Produkte anbiete, habe noch eine Chance als niedergelassener Händler.
Einzelhandel entgehen Milliarden durch Online-Konkurrenz
Denn Standardprodukte werden massenhaft online verkauft. Laut einer aktuellen Studie im Auftrag des HDE entgehen dem deutschen Einzelhandel durch die Konkurrenz von billigen Online-Händlern aus China pro Jahr Umsätze in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro.
Andreas Klier sagt: „Wir haben fast 500.000 Pakete täglich, die zollfrei von China nach Deutschland kommen.“ Das habe Nebenwirkungen, beispielsweise seien dadurch bereits rund 40.000 Arbeitsplätze im Einzelhandel verloren gegangen.
Abbau von Arbeitsplätzen im Einzelhandel
Laut Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der offenen Stellen im Einzelhandel im vergangen Jahr um rund 16 Prozent zurückgegangen. Die Folgen sind Leerstände in vielen Innenstädten. Auch in Nürnberg werden in diesem Jahr weitere hinzukommen. Harald Lehmeier sagt: „Ich weiß von einigen Läden auch aus der Gastronomie, die schließen werden, da sind auch Freunde von mir dabei – es ist sehr traurig.“
Denn mit den Geschäften, findet Lehmeier, gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, sondern auch Flair in den Innenstädten.

