„Diese Sporty-Seite an mir will einfach nicht verschwinden“, gesteht Mel C (bürgerlich Melanie Chisholm) im Interview. Die mittlerweile 52-Jährige machte in den Neunzigern dem Spitznamen „Sporty Spice“ alle Ehre – ihrer Trainingsanzüge und Bühnenflickflacks wegen. Sie habe sich diese Rolle gerne wieder angezogen, sagt sie jetzt, knapp 30 jahre später. „Es fühlt sich frisch an, weil ich das als Solistin nie getan habe. Ich präsentiere ‚Sporty‘ jetzt in der 2026-Version.“
Musikalische Verweise auf die Aerobic-Welle
Das äußert sich auch im Artwork, für das Chisholm wie eine Athletin posiert – durchtrainiert und mit imposantem Sixpack. Der Körper einer Frau, die sogar an Triathlons teilnimmt. „Sweat“, das Titelstück ihres neuen Albums, ist eine regelrechte Workout-Hymne.
Vor dem geistigen Auge tanzen Jane Fonda, Sydney Rome oder Jamie Lee Curtis im Neon-Outfit. Man fühlt sich beim Hören an die Zeiten von „Flashdance“ erinnert – nicht zuletzt wegen eines Samples aus „Work That Body“ von Diana Ross. Ein Song, der wie kaum ein anderer für den Höhepunkt der Aerobic-Welle steht.
Und doch das ist nur eine Nuance dieses Albums. Der Schwerpunkt der 13 Stücke liegt eher auf tanzbarer elektronischer Musik – einer Mischung aus Techno, Rave, House und RnB, der an Künstler wie Moloko, Moby oder Faithless erinnert. Betont rhythmisch, aber auch sphärisch und euphorisch – eine Hommage an die frühen 90er.
Vom Älterwerden, der alten und neuen Liebe
Sie selbst sei 17 gewesen, als sie den Rave entdeckt habe, erzählt die Musikerin. Als „spirituelles Erwachen“ beschreibt sie diesen Moment. „Ich habe dann Clubs in London besucht, in denen das lief. Und es hat mich geprägt. Wenn ich diese Sounds heute höre, bewegt mich das emotional immer noch.“
Emotional sind auch die Texte: Sie befassen sich mit dem Alter und dem Vorsatz, das Beste aus seiner verbleibenden Lebenszeit zu machen – zu reisen, viele verschiedene Dinge auszuprobieren und Spaß zu haben. Gleichzeitig sind sie aber auch nonchalante Abrechnungen mit ihrem Ex, dem Musikmanager Joe Marshall, und Liebeserklärungen an ihren neuen Partner, den Australier Chris Dingwall. Eine ungewöhnliche Konstellation, die mit der Entstehungszeit des Albums zu tun hat.
Mel C wünscht sich immer noch ein Comeback der Spice Girls
Als sie begonnen habe, am Album zu arbeiten hatte sie gerade eine zeimlich dramatische Trennung hinter sich, erklärt Mel C im Interview. „Kurz danach habe ich jemand anderen kennengelernt und mich neu verliebt. Das war aufregend – es hat gezeigt, dass das Leben weitergeht und ständig Überraschungen bereithält. Ich hatte so starke Gefühle in beide Richtungen, dass das dem Album eine lyrische Bandbreite verliehen hat.“
Obwohl „Sweat“ ein wirklich starkes Pop-Album ist, mit dem Melanie C an den Erfolg ihrer ersten Alleingänge aus den späten 90ern anknüpfen könnte, scheint die Musik für sie nicht mehr die oberste Priorität zu haben. Im Oktober spielt Mel C ein einziges Deutschland-Konzert in Berlin. Ansonsten bevorzugt sie Engagements als DJane und als Jurorin in Castingshows.
Und sie hofft weiter auf ein Comeback der Spice Girls, die in diesem Sommer das 30. Jubiläum ihres Debut-Albums „Spice“ feiern. Tendenz allerdings: unwahrscheinlich.

