Realschule im ländlichen Raum höher angesehen
Bildungsexperte Marcel Helbig hat diese Unterschiede analysiert und dabei auch die Quoten der Eignungsempfehlungen berücksichtig. Auch diese unterschieden sich regional (in geringerem Ausmaß) – entscheidend ist aber, dass sie anders ausgenutzt werden: In ländlichen Regionen schicken mehr Familien ihre Kinder trotz einer Gymnasialempfehlung auf die Realschule.
Das habe, so Helbig, die Konsequenz, dass auch viele leistungsstarke Kinder die Realschule besuchen. Dadurch werde die Realschule auf dem Land als starke Schulform wahrgenommen, auf die Familien ihre Kinder gerne schicken. Ein selbstverstärkender Effekt.
Einfluss auf die Übertrittsentscheidung: Bildungshintergrund, Infrastruktur, Förderung
Als weiteren Grund für die Unterschiede nennt Helbig vor allem den Bildungshintergrund der Eltern ab, aber auch die Erreichbarkeit der Schulen und die Infrastruktur vor Ort könne eine Rolle spielen.
Bildungsexpertin Sabine Bösl vom BLLV sieht das ähnlich und ergänzt: „Oft meint man, der Migrationshintergrund spiele eine Rolle, aber ich erlebe an meiner Schule viele Eltern mit Migrationshintergrund, denen die Bildung ihrer Kinder einfach sehr wichtig ist.“ Entscheidend beim Übertritt auf eine weiterführende Schulart sei der soziökonomische Hintergrund.
In den Städten Kluft zwischen Gymnasium und Mittelschule
In den Städten ist die Verteilung oft anders. Die meisten Kinder mit Gymnasialempfehlung würden diese auch wahrnehmen, sagt Bildungsforscher Marcel Helbig. Zulasten der Realschulen, die in Städten die niedrigste Übertrittquote haben.
Aber auch hier muss zum Teil zwischen Stadteilen differenziert werden, wie Bildungsforscherin Sibylle Schneider von der Universität Augsburg betont: „In so einer Stadt haben wir ganz unterschiedliche Situationen. Wir können den [Augsburger Stadtteil] Oberhausen nicht vergleichen mit der Augsburger Innenstadt. Das sind wie zwei Welten.“

