Bei der Kaufhauskette Galeria verdichten sich die Anzeichen, dass Galeria wieder in der Krise steckt. Laut einem Bericht der „Immobilien Zeitung“ (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) beklagen mehrere Vermieter, dass Mietzahlungen für April ausgeblieben sind. Nach BR-Informationen ist auch die Filiale am Münchner Rotkreuzplatz betroffen.
Galeria-Filiale am Rotkreuzplatz mit Mietrückstand
Wie informierte Kreise dem BR berichten, habe es im Monat April für die Filiale keine Zahlungen gegeben. Es wurde demnach auch keine Bitte um Stundung ausgesprochen.
Der Vermieter der Galeria-Filiale im OEZ, die ECE Group, antwortete auf eine schriftliche Anfrage des BR: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zum Zahlungsverhalten einzelner Mieter […] grundsätzlich nicht äußern.“ Die ebenfalls angefragten Vermieter der Filialen am Marienplatz und an der Münchner Freiheit haben bislang noch nicht reagiert.
Bundesweit Filialen betroffen
Betroffen ist auch die Filiale am Berliner Alexanderplatz, deren Immobilie Commerz Real gehört. Die April-Miete sei bislang nicht gezahlt worden, sagte ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Wir beobachten das mit Sorge. Bisherige Kontaktversuche sind ins Leere gelaufen. Es ist niemand erreichbar, sodass wir uns fragen, wie es jetzt weitergeht“, sagte er.
Ein weiteres Unternehmen bestätigte, dass die Miete für April bislang nicht pünktlich und vollständig eingegangen sei. In einigen Fällen soll Galeria Berichten zufolge auch um eine Stundung gebeten haben. Das Unternehmen wollte die Berichte auf Nachfrage nicht kommentieren.
Handelsexperte: Vierte Insolvenz „eine reale Gefahr“
Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE sieht seit der letzten Insolvenz durchaus positive Entwicklungen. Als Beispiele nennt er gesunkene Mieten, Partnerschaften mit Lidl oder Decathlon sowie eine stärkere lokale Ausrichtung. „Doch ohne ausreichend Investitionskapital lässt sich ein Kaufhaus nicht transformieren – das rächt sich jetzt“, sagte der Handelsexperte. Galeria sei ein überdimensioniertes Modell ohne klares Profil. Solange dieses Problem nicht gelöst sei, bleibe eine vierte Insolvenz „eine reale Gefahr“.
Anfang 2024 hatte die Kette zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz anmelden müssen. Seit Sommer 2024 gehört die Kette der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Sie riefen den Neustart aus und kündigten Investitionen an. Von bis zu 100 Millionen Euro in den nächsten zwei bis drei Jahren war die Rede. Experten hatten damals bereits Zweifel, dass dies genügt.
Im Herbst 2025 zeigte sich die Führung zufrieden mit dem ersten Jahr nach der Insolvenz. Erstmals seit mehr als zehn Jahren sei wieder ein Geschäftsjahr operativ profitabel abgeschlossen worden, teilte das Unternehmen mit. Alle Standorte schrieben demnach schwarze Zahlen.
Weitere Filialschließungen drohen
Zum Jahresende berichtete die Zeitschrift „Textilwirtschaft“ (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt), dass sich die Geschäftslage bei Galeria verschlechtert habe. Umsatz und Gewinn seien eingebrochen, hieß es. Das Unternehmen wollte dazu nicht Stellung nehmen.
Im März 2026 geriet Galeria erneut in die Schlagzeilen, weil weitere Filialschließungen drohen. Die Mietverträge von acht Standorten sollen neu verhandelt werden, teilte der Einzelhändler mit. „Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen.“
Betroffen sind Filialen in München (Rotkreuzplatz), Berlin (Kurfürstendamm, Hermannplatz), Köln (Hohe Straße, Breite Straße), Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Und nun folgt das nächste Problem – die ausbleibenden Mietzahlungen.
Creditreform rät von Krediten für Galeria ab
Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rät weiter von Krediten für Galeria ab. Das teilte ein Sprecher auf Nachfrage mit. Auch nach Aufhebung des letzten Insolvenzverfahrens 2024 gilt eine Geschäftsverbindung demnach als riskant.
Die Gewerkschaft Verdi kritisiert die Galeria-Führung. „Seit mehr als zehn Jahren kämpfen die Beschäftigten nunmehr um ihre Arbeitsplätze und faire Löhne bei Galeria“, sagte Vorstandsmitglied Silke Zimmer. Gemeinsam mit den Beschäftigten müsse ein tragfähiges Zukunftskonzept erarbeitet werden. Nur so könnten Perspektiven und neue Glaubwürdigkeit entstehen.
Mit Informationen von dpa.

