Für Bayern sind es keine guten Nachrichten: Die deutsche Autoindustrie hat binnen eines Jahres mehr als 42.000 Arbeitsplätze verloren. Insgesamt arbeiten nur noch rund 691.500 Menschen in der Branche, so wenige wie seit 2005 nicht mehr, meldet das Statistische Bundesamt.
Der Freistaat gehört zu den wichtigsten Automobilstandorten Europas. Entsprechend hoch ist die Zahl der Beschäftigten in Bayern. Allein bei BMW, Audi und MAN arbeiten nach Angaben der IG Metall rund 134.000 Menschen. Rechne man die Zulieferer hinzu, sei die Zahl der Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt an der Branche hänge, dreimal so hoch, so die Gewerkschaft. Das wären mehr als 400.000 Jobs.
Zulieferer leiden besonders
Besonders hart trifft der Stellenabbau die Zulieferindustrie. Während die Zahl der Beschäftigten bei den Herstellern im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um 6,1 Prozent zurückging, fiel das Minus bei Herstellern von Teilen und Zubehör mit 7,6 Prozent noch höher aus.
Ein Grund dafür: der Umbau der Branche hin zur Elektromobilität. Auch viele Zulieferer in Bayern fertigen Teile, die für Verbrennungsmotoren nötig sind. Elektromotoren kommen jedoch mit deutlich weniger Komponenten aus. Unternehmen, die auf Motoren- oder Antriebstechnik spezialisiert sind, geraten entsprechend unter Druck.
Branche mit vielen Problemen
Ein Stellenabbau ist aufgrund des Wandels hin zur Elektromobilität von den Experten erwartet worden. Für die Produktion von E-Autos braucht es eben nicht so viele Beschäftige, da Stromer einfacher konstruiert sind als Verbrenner. Allerdings überrascht das Tempo, in dem hier Arbeitsplätze verloren gehen. So sieht unter anderem Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer noch andere Faktoren, die den Beschäftigungsabbau antreiben. Zum einen seien die Produktionskosten in Deutschland im internationalen Vergleich hoch. Industrieunternehmen investierten deshalb zunehmend in Ländern mit niedrigeren Arbeits- und Energiekosten.
Auch der technologische Wandel dürfte den Druck auf den Arbeitsmarkt erhöhen. Künstliche Intelligenz und eine zunehmende Automatisierung könnten dazu führen, dass künftig noch weniger Beschäftigte für die Produktion benötigt werden, weil etwa Maschinen und Roboter immer mehr Aufgaben übernehmen, so Dudenhöffer. Autoexperte Stefan Bratzel meint, dass es nun umso wichtiger sei, an den Standortbedingungen anzusetzen, statt den Stellenabbau pauschal der E-Mobilität zuzuschreiben.
Auch Forschungsstandort in Gefahr
Ein weitere große Herausforderung sieht Dudenhöffer darin, dass durch den Abbau die Gefahr besteht, dass in Deutschland auch weniger geforscht wird. China beispielsweise sei in einigen Bereichen wie Batterietechnik und Vernetzung ebenbürtig oder sogar führend. Dabei sollte die Industrie nach Ansicht von Bratzel Abhängigkeiten in den Transformationsfeldern der Elektromobilität und Software/KI zu reduzieren und kritische bzw. differenzierende Teile beschäftigungsrelevanter Wertschöpfung nach Deutschland holen.
Dudenhöffer geht nicht von einer Trendumkehr aus. Selbst wenn sich die Branche günstig entwickelt, könnte die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Autoindustrie seiner Prognose nach bis zum Jahr 2030 auf rund 500.000 sinken. Das wären noch einmal fast 200.000 Arbeitsplätze weniger als heute.
Teile der Branche mit Wachstum
Dass die Entwicklung innerhalb der Branche unterschiedlich verläuft, zeigt allerdings ein Blick ins Detail. Während viele klassische Zulieferer Personal abbauen, wächst die Beschäftigung bei Herstellern von Karosserien, Aufbauten und Anhängern sogar. Dort stieg die Zahl der Beschäftigten binnen eines Jahres um zehn Prozent. Diese Komponenten werden unabhängig davon benötigt, ob ein Fahrzeug von einem Verbrenner- oder einem Elektromotor angetrieben wird.

