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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Debatte um Arbeitszeit: Was gilt und was sich ändern könnte
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Debatte um Arbeitszeit: Was gilt und was sich ändern könnte

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 12. Mai 2026 16:49
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Steht der Acht-Stunden-Tag auf der Kippe? Die Union wirbt für mehr Flexibilität im Arbeitszeitgesetz. Demnach soll die Wochenarbeitszeit nicht steigen, aber die Stunden sollen flexibler über die Woche verteilt werden. Der offizielle Gesetzentwurf wird erst für Juni erwartet. Was das Gesetz aktuell vorsieht, warum die Regelung infrage gestellt wird und wie das bei Gewerkschaften, im Handwerk und in der Gastro ankommt. Ein Überblick.

Inhaltsübersicht
Was gilt heute im Arbeitszeitgesetz?Was fordern Union und SPD?Wie kommen die Pläne im Handwerk und der Gastronomie an?Was könnte sich für Beschäftigte ändern?Warum wird der Acht-Stunden-Tag überhaupt infrage gestellt?

Was gilt heute im Arbeitszeitgesetz?

Wie viel in Deutschland gearbeitet werden darf, ist im Arbeitszeitgesetz festgelegt. Demnach gilt: Die Regel sind acht Stunden am Tag. Maximal sind zehn Stunden erlaubt. Außerdem stehen im Gesetz auch Vorgaben zu Pausen und Ruhezeiten: Zwischen zwei Arbeitseinsätzen müssen elf Stunden Zeit vergehen. In manchen Berufen gelten Sonderregelungen. Auf die Woche gerechnet sind 48 Stunden erlaubt. Das schreibt die Europäische Arbeitszeitrichtlinie vor.

Was fordern Union und SPD?

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, die tägliche Arbeitszeit durch eine wöchentliche Regelung zu ersetzen. Im Januar drängte die CSU, ein Gesetz noch dieses Jahr auf den Weg zu bringen. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) kündigte nun an: „Der Entwurf wird im Juni kommen.“ Gemeinsam mit der Reform der Arbeitszeiten hat Bas außerdem angekündigt, die elektronische Arbeitszeiterfassung zu regeln.

Wie kommen die Pläne im Handwerk und der Gastronomie an?

Die Hochzeit, die von 14 Uhr bis spät in die Nacht geht, oder das Sommerfest der Stadt: Denise Amrhein ist Geschäftsführerin der Fuchsbräu GmbH im oberbayerischen Beilngries und damit von gleich zwei Hotels. Sie sagt: „Es geht ja überhaupt nicht um Mehrarbeit, sondern um flexiblere Verteilung.“ Im Moment könne sie solche Events mit zwei Schichten stemmen – bei kleineren Betrieben sei das nicht möglich: „Es ist wichtig, dass das Arbeitszeitgesetz flexibilisiert wird.“

Ähnlich sieht es Hans Schiwietz, Fliesenbauer aus Erding. Immer wieder ist sein Team auf Baustellen unterwegs und nach Ablauf der acht Stunden fehlt nicht mehr viel, um den Auftrag abzuschließen. „Wir versuchen, das dann fertig zu machen“, sagt er, statt am nächsten Tag noch einmal rauszufahren.

Laut einer Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung [externer Link] im Juli 2025 sehen Beschäftigte das anders: Rund drei Viertel der 2.000 Befragten fürchten vor allem Auswirkungen auf Zeit mit der Familie, sollten die Arbeitstage länger werden.

Was könnte sich für Beschäftigte ändern?

Unter Berücksichtigung der elf Stunden Ruhezeit innerhalb einer 24-Stunden-Periode könnte ein Arbeitstag dann 13 Stunden lang werden. Davor warnen die Gewerkschaften. Die EU-Richtlinie gilt jedoch weiterhin: nicht mehr als 48 Stunden die Woche. Die Höchstarbeitszeit ist also auch künftig begrenzt.

„Überstunden und Dienstplanänderungen sind bereits jetzt Alltag“, sagt Barbara Brendel. Sie ist Betriebsrätin bei der Hotelkette Steigenberger und Mitglied bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Sie warnt: „Wer stemmt 13-Stunden-Schichten, wenn zu Hause Eltern gepflegt oder Kinder betreut werden müssen?“

Warum wird der Acht-Stunden-Tag überhaupt infrage gestellt?

„Das ist ein wichtiger Hebel, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, unsere Wirtschaftskraft zu stärken und Wachstum zu generieren“, sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft gegenüber BR24.

Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, hält dagegen: Das Gesetz böte bereits Flexibilität in Branchen, in denen mehr Arbeitsstunden am Tag nötig sind. „Wir organisieren das mit unseren Tarifverträgen tausendfach.“ Sie befürchtet, dass eine Ausweitung der täglichen Arbeitszeit zugunsten des Arbeitsgebers geht: „Das bringt überhaupt keine Produktivität, kein Wachstum, keine Innovation, sondern das macht Arbeit ungesünder.“

Diese Diskussionen dürften weitergehen, wenn Arbeitsministerin Bas ihren Entwurf präsentiert.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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