Warum wird gestreikt?
Hintergrund sind die festgefahrenen Tarifverhandlungen. Die Arbeitgeber haben in der zweiten Verhandlungsrunde eine Entgelterhöhung von 1,3 Prozent nach 20 Monaten angeboten. Der Gewerkschaft reicht das nicht.
Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn, 110 Euro zusätzlich pro Monat für Auszubildende sowie Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten. Zudem verlangt sie, dass Beschäftigte stärker an Gewinnen wirtschaftlich erfolgreicher Unternehmen beteiligt werden.
Für viele Beschäftigte geht es dabei nicht nur um das aktuelle Einkommen. Die Sorgen um die Zukunft der Industrie wachsen. Vor allem in der Automobilbranche stehen zahlreiche Unternehmen unter Druck.
Schaeffler-Abbau sorgt für Verunsicherung
Zusätzlichen Zündstoff erhält die Tarifrunde durch die jüngsten Sparpläne des Automobil- und Industriezulieferers Schaeffler mit Sitz in Herzogenaurach. Das Unternehmen will europaweit 3.460 Stellen abbauen, davon 2.660 in Deutschland. Fünf Standorte sollen geschlossen werden.
In Schweinfurt fallen nach Angaben der IG Metall weitere 79 Stellen weg. Die Gewerkschaft sieht darin ein alarmierendes Signal für den Industriestandort Deutschland. Thomas Höhn von der IG Metall kritisiert: „Bei Schaeffler folgt inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind. Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland.“
Schaeffler begründet die Maßnahmen mit der schwachen Entwicklung im Automobilgeschäft, sinkender Nachfrage nach Verbrennerfahrzeugen, einem verzögerten Hochlauf der Elektromobilität und wachsendem internationalem Wettbewerbsdruck. Volkswagen hatte bereits vor rund zwei Jahren angekündigt Stellen abzubauen.
Arbeitgeber halten Streiks für unangemessen
Die Arbeitgeber weisen die Kritik zurück. Bertram Brossardt vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie bezeichnet die Warnstreiks als „unangemessen“ und „vollkommen aus der Zeit gefallen“.
Nach seinen Angaben arbeiten rund 70 Prozent der Beschäftigten in Unternehmen, denen es wirtschaftlich schlecht gehe. Zudem verliere die Branche in Bayern seit Jahren Arbeitsplätze. Das vorgelegte Angebot sei daher „tragfähig und der Situation angemessen“. Die Arbeitgeber fordern die IG Metall auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
IG Metall kündigt weitere Aktionen an
Die Gewerkschaft zeigt sich dagegen kämpferisch. Augsburgs Erste Bevollmächtigte Ferdije Rrecaj spricht von einer „absoluten Nullnummer“ mit Blick auf das Arbeitgeberangebot. „So etwas lassen wir uns nicht bieten“, sagt sie. Die Beschäftigten würden so lange Druck machen, „bis ein ordentliches Angebot auf dem Tisch liegt“. Damit dürfte die Tarifauseinandersetzung in Bayerns Industrie auch in den kommenden Tagen weiter an Fahrt aufnehmen.

