Nach Kursstürzen bei Gold und Silber wie zuvor schon beim Bitcoin hoffen viele Anleger, dass sie schon auf dem Boden aufgeprallt sind. Von nun an soll es langsam wieder aufwärts gehen, hoffen sie. Die Umstände für neue Rekordkurse sind aber 2026 nicht mehr so günstig wie vor dem Jahreswechsel. Dennoch bleiben viele Banken optimistisch.
Ein neuer FED-Chef führt zum Ausverkauf
Zu Beginn des Jahres übersprang der Preis für eine Feinunze Gold die Marke von 5.000 Dollar, doch dann gab es eine extreme Abwärtsbewegung. Ähnlich war es auch beim Silber. Ausgelöst wurden die Panikverkäufe durch die Ernennung des neuen US-Notenbankchef Kevin Warsh.
Der im Staat New York geborene Anhänger der Republikaner gilt als konservativer „Falke“, dem im Zweifelsfall höhere Zinsen lieber sind als zu niedrige. Heißt: Warsh könnte für eine neue Geldpolitik mit einem stabileren Dollar stehen, was alternative Krisenwährungen wie Gold, Silber oder Bitcoin unattraktiver machen würde. Deshalb haben so viele Menschen ihre sicheren Gold- und Silberreserven verkauft.
In den Monaten zuvor hatte US-Präsident Trump immer wieder Zinssenkungen gefordert und sich massiv mit dem noch amtierenden Fed-Chef Jerome Powell gestritten. Die Unabhängigkeit der US-Notenbank schien zunehmend in Gefahr, die Anleger flüchteten geradezu in Gold, bis Trump mit der überraschenden Personalie Warsh gegensteuerte. Woher dieser Sinneswandel kam, dazu hat sich Trump bislang nicht geäußert.
Das Ende der De-Dollarisierung?
Hinzu kommt, dass die aktuelle Haushaltskrise mit dem drohenden Shutdown im US-Kongress gelöst wurde. Das bedeutet, dass die USA auf etwas solidere Verhältnisse zusteuern. Und: Das Wirtschaftswachstum bleibt intakt, was angesichts der Trump-Zölle kaum jemand erwartet hatte.
Grundsätzlich sind für viele Anleger Kryptowährungen wie Bitcoin aber auch Edelmetalle wie Gold und Silber eine Alternative zum US-Dollar als weltweiter Leitwährung – und irgendwie auch eine Alternative zu Donald Trump und seiner als chaotisch empfundenen Politik. Das Ganze wird auch De-Dollarisierung genannt.
Trump will „Sell America!“-Bewegung beenden
So haben einige Notenbanken viel Gold gekauft, um den möglichen Folgen der steigenden US-Staatsverschuldung zu entgehen. Große Volkswirtschaften wie China, Indien, Brasilien oder auch Russland kauften Gold, um der Dominanz des Dollars (und auch von Trump) zu entfliehen. Ihr Motto lautet „Sell America!“, also Amerikanische Assets verkaufen, auch aus politischen Gründen. Der World Gold Council berichtete aber, dass diese Goldkäufe der Notenbanken zuletzt nicht mehr so hoch ausfielen. Auch hier könnte ein Höhepunkt überschritten sein.
Viele negative Erwartungen gegenüber dem Dollar bestehen seit Warshs Nominierung jedenfalls nicht mehr. Anleger neigen dazu, ihre Risiken breiter zu streuen und nicht mehr so stark auf Einzelwetten wie Gold oder Silber zu setzen. So hat der Bitcoin zuvor bereits deutlich an Wert verloren und wartet schon länger auf neue Kaufimpulse, die auch ein Donald Trump ihm zuletzt nicht mehr geben konnte.
So dürften Gold und Silber sich jetzt weiterentwickeln
Umfragen bei Banken zeigen, dass viele die Gold- und Silber-Rallye noch lange nicht am Ende sehen und dass einige auch noch an den Bitcoin glauben. Das „Krypto-Gold“ erscheint ihnen inzwischen viel zu billig im Vergleich zum echten Gold. Beim Silber gibt es auch noch eine echte Knappheit in der Industrie, die seit Jahren mehr davon verbraucht als gefördert wird: die Nachfrage bleibt hier also größer als das Angebot.
Die Investmentbanken J.P. Morgan, Morgan Stanley und die Schweizer UBS sehen beim Gold stabile Preise von bis zu 5.000 Dollar je Feinunze in diesem Jahr und halten langfristig noch mehr für möglich. An der Spitze mit ihrer Vorhersage liegt die London Bullion Market Association (LBMA), die mit mehr als 7.000 Dollar rechnet, falls die geopolitischen Spannungen anhalten.
Spannend ist hier vor allem die Frage, ob die USA und Iran einen weiteren Krieg beginnen oder zu einem neuen Atom-Deal finden. Je nach Ausgang der Verhandlungen kann hier die nächste Rallye starten oder den Edelmetall-Anlegern bricht doch noch einmal der Boden unter den Füßen weg.

