Im Sekundentakt werden die rechteckigen Behälter aus Alufolie in die Maschine hineingezogen und dort mit durchsichtigem Plastik verschlossen. Bei diesem Testlauf in der Produktionshalle von Multivac in Wolfertschwenden im Allgäu sind sie mit ein wenig Teig befüllt, das simuliert den späteren Inhalt. Das werden Fertiggerichte sein, oder zum Beispiel Mithai, eine traditionelle indische Süßspeise.
Maschinen wie diese exportieren die Allgäuer nämlich auch nach Indien. Der geschäftsführende Direktor Tobias Richter nimmt eine fertige Verpackung in die Hand, der Verschluss lässt sich ganz sanft abziehen, Test bestanden.
Zukunftsmarkt Indien – mit eigener Produktion vor Ort
Für Mulitvac ist Indien ein Zukunftsmarkt. In den vergangenen fünf Jahren sind die Exporte in das Land jeweils um zehn Prozent gestiegen. Schon lange ist man dort mit einer Vertriebs- und Servicegesellschaft präsent. Und 2024 hat das Unternehmen sogar eine eigene Produktion aufgebaut, 120 Kilometer südwestlich von Delhi. So könne man bestimmte Produkte, die speziell für den indischen Markt hergestellt werden, schneller zu den Kunden bringen. Außerdem könne man noch besser auf die Anforderungen der Kunden eingehen, so Tobias Richter.
In das Freihandelsabkommen mit Indien setzt der Manager große Hoffnungen. Denn der bürokratische Aufwand sei aktuell sehr groß, Import- und Exportpapiere auszufüllen nehme viel Zeit in Anspruch. Neben dem Wegfall von Zollschranken glaubt er, dass dies den Handel vereinfacht und anfacht. Wenn der Wohlstand in Indien weiter so wachse, werde sich der Absatzmarkt für Multivac und andere Unternehmen dort weiter vergrößern, davon ist Tobias Richter überzeugt.
Diese Branchen profitieren
Die Gewinner des Abkommens: der Maschinenbau und die Autoindustrie. Das sagt zumindest Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) voraus. Bislang sei der indische Markt mit Zöllen von bis zu 100 Prozent und darüber vollkommen geschlossen gewesen. Die Zölle würden jetzt sinken: „Allerdings nur für Verbrenner und nur für die großen Autos“, so der Ökonom im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Chancen werde es auch für Chemie, Kunststoffe und Umwelttechnik geben.
Umgekehrt könnten europäische Unternehmen in Indien zum Beispiel IT-Dienstleistungen besser und rechtssicherer einkaufen. Indien wachse stark, so Felbermayr – und damit auch der Mut von Unternehmen, dort Geschäfte zu machen. So ist zu erwarten, dass auch neue Player in den Markt eintreten.
Diese Branchen gehen leer aus
Wirkliche Zollfreiheit werde es zwischen EU und Indien aber so schnell nicht geben, sagt Gabriel Felbermayr vom WIFO: „Es ist ein großes Abkommen, aber es ist nicht tief.“ Der Agrarbereich sei zum Beispiel komplett ausgeschlossen, das betreffe Milch, Zucker, Rindfleisch, Hühner oder Rohstoffe. Auch Staatsbetriebe, die eine große Rolle in Indien spielen, seien nicht dabei. Umgekehrt behält sich Europa das Recht vor, digitale Dienstleistungen oder Online-Transaktionen weiter zu besteuern.
Heute nur Platz 23, aber Handel mit Indien wächst rasant
Indien belegt heute gerade einmal Platz 23 der wichtigsten Handelspartner Bayerns. Das Handelsvolumen mit dem Freistaat lag 2024 bei gut 4,4 Milliarden Euro, aber es wächst rasant und hat sich innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt. Dabei exportieren die Bayern etwa Maschinen und elektrische Komponenten für Anlagen. Bei den Importen aus Indien stehen Textilien an erster Stelle.

