Ende Juni gehen im Playmobil-Werk in Dietenhofen im Landkreis Ansbach die Lichter aus. Das hat der Hersteller der Spielfiguren, die Horst Brandstätter Group, zuletzt noch einmal bestätigt.
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) hat am Firmensitz im 25 Kilometer entfernten Zirndorf am Dienstag eine Protestaktion organisiert. Ihr ging es dabei nicht nur um die Schließung an sich – sondern auch um den Umgang mit den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Indessen gehen die Verhandlungen um einen Interessensausgleich und einen Sozialplan auf die Zielgerade.
Flashmob schrumpft zu Mini-Kundgebung
Vor dem als Burgtor gestalteten Eingang zum Playmobil Funpark in Zirndorf wollte die Gewerkschaft eigentlich mit einem Flashmob ein Zeichen setzen. Doch von den erwarteten rund 20 Beschäftigten aus Dietenhofen kamen lediglich eine Handvoll. Für den Betriebsratsvorsitzenden Michael Ulbrich kein Problem. „Jedes Zeichen ist wichtig“, sagt er. Manchmal könne „auch eine Mücke einen Elefanten erschrecken“.
Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner ist sich sicher, dass die Aktion – wenn auch klein ausgefallen – in der einen Steinwurf entfernten Firmenzentrale trotzdem wahrgenommen wird. Dass so wenige Beschäftigte gekommen sind, dafür hat er zwei mögliche Erklärungen. Zum einen die „räumliche Distanz“. Zum anderen könne er sich vorstellen, dass es „eine gewisse Sorge in der Belegschaft gibt“, sagt Krippner mit Blick auf die Beteiligung.
Spielfiguren-Frisuren wichtiger als Beschäftigte?
Der Grund für die Protestaktion: Gewerkschaft und die Playmobil-Belegschaft in Dietenhofen hätten sich über ein Interview von Playmobil-Chef Bahri Kurter in der Süddeutschen Zeitung [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt] geärgert, sagt IGBCE-Sekretär Krippner. Dabei ging es auch um die den Fußball-Nationalspielern nachempfundenen neuen Playmobil-Figuren, die das Unternehmen nun auf den Markt bringt. Beim Lesen, sagt Krippner, habe er „erfahren müssen, dass die Kernsorge der Unternehmensleitung zu sein scheint, wie die Frisuren der DFB-Mannschaft gestaltet werden mit dem Spritzgussverfahren“.
Vor dem Hintergrund, dass demnächst 350 Beschäftigte in Dietenhofen ihre Jobs verlieren, sei für ihn und auch für die Belegschaft „einigermaßen pikierend“ gewesen. Seitens der Horst Brandstätter Group konnte sich am Nachmittag kurzfristig niemand dazu äußern. Auf eine gesonderte BR-Anfrage heißt es aber: Ziel sei es, den „Beschäftigten im Rahmen einer Transfergesellschaft eine Perspektive über den 30. Juni 2026 hinaus zu ermöglichen und die Beschäftigten beim Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse aktiv zu unterstützen“.
Noch keine Kündigungen – Verhandlungen in finaler Phase
Auch wenn das Aus für das Dietenhofener Playmobil-Werk besiegelt ist: Noch wurden keine Kündigungen verschickt. Das werde Ende des Monats passieren, so ein Unternehmenssprecher auf BR-Anfrage. Mit Blick auf den Schließungstermin Ende Juni heißt es: Es sei „möglich, dass Kündigungsfristen über den Zeitpunkt der Werksschließung hinausgehen“.
Indessen gehen die Verhandlungen um einen Interessensausgleich und einen Sozialplan weiter. Die Gespräche seien „strukturiert und konstruktiv“ und nun in der finalen Phase, heißt es von der Horst Brandstätter Group. Laut Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner geht es um einen „fairen, sozialen Ausgleich für den Verlust des Arbeitsplatzes“. Laut dem Betriebsratsvorsitzenden Michael Ulbrich sind viele Playmobil-Beschäftigte schon viele Jahre im Unternehmen – der Durchschnitt liege bei über 20 Jahren.
Zum Hören: Protestaktion bei Playmobil

